22.12.2011 - Die jüdische Gemeinschaft möge es Joachim Zinsen danken, dass er ergänzte, was bei der Preisverleihung nicht zur Sprache kam. Es ist richtig, dass unter ihr die Zahl derer wächst, die sich von Israels rechtsgerichteter Regierungspolitik deutlich distanzieren.
Nach der „Jüdische(n) Stimme für Gerechten Frieden in Nahost“ ist vor wenigen Monaten eine zweite Organisation entstanden, die zu dem Unrecht israelischer Besatzungspolitik nicht schweigen will: das „Jüdische Forum für Frieden“. Besatzungspolitik, verbunden mit Demütigung, Vertreibung, Landraub, unrechtmäßiger Inhaftierung, Tötung und weiterer Verstöße gegen das Menschenrecht können nicht im Interesse Israels sein. Diese Einsicht teilen viele Friedens- und Menschenrechtsgruppen in Israel. Würde die Deutsch-Israelische Gesellschaft doch diesen Gruppen Gehör schenken! Sie hätte dazu eine Gelegenheit (unter vielen anderen), wenn im Mai des kommenden Jahres die „Rabbiner für Menschenrechte“ auf Vortragsreise nach Deutschland kommen. Dann könnten die Mitglieder und Freunde der Gesellschaft von Augenzeugen vernehmen, welches Unrecht mit der Besatzung begangen wird. Dieses Unrecht fußt nicht auf Lehrsätzen jüdischer Religion, wie Fundamentalisten und ihre Anhänger glauben machen möchten.
Auf ihrer Homepage verurteilen die Rabbiner „die Welle des Faschismus, die über Israel hinwegfegt“ und wünschen der jüdischen Gemeinschaft zu Chanukka, dass das Fest des Lichts ihnen Segen und Hoffnung bringe. Einsicht und Mut, möchte man hinzufügen. Und die Rückbesinnung auf Werte jüdischer Ethik, in deren Mittelpunkt die Liebe zum Nächsten steht.
Dr. Edith Lutz,
Kall, 22.12. 2011
Das Afghanistan-Desaster der NATO zeigt ebenso wie andere Militäraktionen, dass Kriege heute kaum noch gewinnbar sind. Zu glauben, man könne damit Probleme lösen, erweist sich immer häufiger als tödliche Illusion.
Zivile Konfliktbearbeitung dagegen kann Bürgerkriege beenden. Der Aachener Karlspreisträger Andrea Riccardi hat das in Moçambique eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Krieg hat aufgehört, "ultima ratio" zu sein, Krieg wird immer deutlicher zur "ultima irratio".
So ist es ein wenig still geworden um die vor wenigen Jahren noch hochgepriesenen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ihre Perspektive steckt in der Sackgasse Afghanistan. Längst sind die Generale kleinlaut geworden, geben offen zu, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind, dass Militär keinen Frieden schaffen kann. Allenfalls Zeit gewinnen, damit Politik Frieden schaffen kann, lautet jetzt ihre Devise.
Die offenkundige Krise militärischer Möglichkeiten stärkt die Chancen für eine neue Sicherheitsdebatte, mit dem Ziel, ernsthaft den Krieg zu ächten. Der Schlüssel liegt in der von einem der Obama-Vorgänger, Woodrow Wilson, während des Ersten Weltkrieges entwickelten Konzeption der kollektiven Sicherheit. Dabei geht es darum, nicht die Sicherheit einzelner Staaten auf Kosten anderer Staaten, sondern die Sicherheit aller Staaten gemeinsam zu gewährleisten. Der Krieg muss als gemeinsame Gefahr für alle aufgefasst werden, der die Interessen der gesamten Gemeinschaft berührt". Sicherheit wird damit als unteilbar betrachtet.
Otmar Steinbicker