28-07-2010 - Der vor wenigen Tagen aus der Haft entlassene britische Verweigerer Joe Glenton sprach gestern anlässlich einer Antikriegsdemonstration in London zum ersten Mal in der Öffentlichkeit. Er forderte den Rückzug der Truppen aus Afghanistan und ergänzte: „Für mich war und ist es eine Ehre zu verweigern. Ich habe festgestellt, dass der wahre Feind nicht der ist, auf den du das Gewehr richtest, sondern derjenige, der hinter und über dir steht und dich auffordert, abzudrücken.“
Joe Glenton wurde am 12. Juli vorzeitig aus der Haft entlassen. Am 5. März 2010 war er zu neun Monaten Haft wegen Unerlaubter Abwesenheit verurteilt worden. Er hatte sich geweigert, erneut nach Afghanistan zu gehen, weil er den Krieg ablehnt.
Joe Glenton wurde weltweit unterstützt. Die britische Organisation Payday organisierte internationale Aktionstage, Connection e.V., Iraq Veterans Against the War (IVAW) Europe und die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Hessen starteten eine Postkartenkampagne. Auch aixpaix.de und die Berliner Compagnie riefen zur Unterstützung Joe Glentons auf.
„Zeitweise“, sagte Joe Glenton, „bekam ich täglich 200 Postkarten aus aller Welt zugeschickt. So fühlte ich mich niemals alleingelassen. Ich werde im September ein Studium beginnen, einfach fantastisch. Ich schaue optimistisch in die Zukunft.“
Die Organisationen danken mit Joe Glenton für alle Protestschreiben an die britische Regierung sowie für die vielfältig gezeigte Unterstützung.
Joe Glenton hatte 2007, traumatisiert durch einen siebenmonatigen Einsatz in Afghanistan, seine Einheit verlassen und sich damit einem erneuten Kriegseinsatz entzogen. Zwei Jahre später stellte er sich und machte seine Verweigerung bei einer Demonstration in London öffentlich. Dem britischen Verteidigungsminister schrieb er am 30. Juli 2009: „Der Krieg in Afghanistan reduziert nicht den Terrorismus. Weit entfernt davon, das Leben der Afghanen zu verbessern, bringt er Tod und Verwüstung in ihr Land. Großbritannien hat dort nichts zu suchen.“ Er ist damit einer der ersten Afghanistanverweigerer, der an die Öffentlichkeit gegangen ist.
Nach Angaben des britischen Kriegsministeriums verließen seit 2003 mehr als 17.000 Soldaten unerlaubt die britische Armee. Das ist eine klare Abstimmung mit den Füßen: Gegen die auch in Großbritannien stark kritisierten Kriegseinsätze in Irak und Afghanistan.
Die Rede Joe Glentons in Londeon sehen Sie im unten stehenden Video-Bericht
Im Rahmen seiner Reihe "Monitoring-Projekt Zivile Konfliktbearbeitung - Gewalt- und Kriegsprävention legte Prof. Dr. Andreas Buro sein Dossier vor.
Die Nationale Friedens-Jirga Afghanistans hat am 14.01.2009 in Kabul einen Plan vorgelegt, in dem sie den dringenden Wunsch nach Frieden äußert, damit in Afghanistan eine Gesellschaft entsteht, in der Freiheit, Menschenrechte und Menschenwürde geachtet werden.
Die Nationale Friedens-Jirga Afghanistans sieht es als ihre nationale und religiöse Pflicht an, das Töten von Menschen zu verhindern. Ihre Botschaft lautet:“Krieg ist keine Lösung von Problemen. Der einzig wirksame Weg, der Afghanistan Sicherheit und Stabilität bringen kann, ist Frieden.“
Wortlaut in Deutsch und Englisch
"Frieden in Afghanistan ist möglich, aber nicht durch die Fortführung des Krieges und die ständige Eskalation der Kampfhandlungen", heißt es in der Erklärung.
Deutschland drohe nach sieben Jahren militärischen Afghanistan-Engagements immer tiefer in den Strudel des Krieges zu geraten. "Die Zahl der afghanischen Opfer, darunter vor allem Zivilisten, Frauen und Kinder, steigt beständig. Mittlerweile sterben Monat für Monat in Afghanistan auch mehr ausländische Soldaten als im Irak. Wann auch deutsche Soldaten in höherem Maße Blutzoll zahlen müssen, scheint nur noch eine Frage der Zeit."
In dieser für Deutschland und Afghanistan dramatischen Situation treten die Nationale Friedens-Jirga Afghanistans und die deutsche Kooperation für den Frieden gemeinsam für eine friedliche Lösung des Afghanistankonflikts ein.
Die Erklärung im Wortlaut
Die Erklärung im Wortlaut
