Malalai Joya

Die USA haben Afghanistan nichts Gutes gebracht

Als afghanische Frau, die ins Parlament gewählt wurde, bin ich in die Vereinigten Staaten gekommen, um den Präsidenten Barack Obama zu bitten, die Besetzung meines Landes sofort zu beenden.

Vor acht Jahren waren die Frauenrechte eine der Ausreden, mit denen dieser Krieg begründet wurde. Die Frauen befinden aber bis heute in einer katastrophalen Situation. Die meisten afghanischen Frauen leben in einer Art Hölle, über die westliche Mainstream-Medien niemals berichten.

2001 haben die Vereinigten Staaten den übelsten Kriminellen und Frauenfeinden wieder zur Macht verholfen – auch den Warlords der Nordallianz und den Drogenbaronen. Diese Männer wirken wie Fotokopien der Taliban. Der einzige Unterschied besteht nur darin, dass die Warlords der Nordallianz Anzüge und Krawatten tragen und ihre (wahren) Gesichter hinter der Maske der Demokratie verstecken, wenn sie Regierungspositionen einnehmen. Sie sind hauptsächlich für das Desaster in Afghanistan verantwortlich, denn sie genießen die Unterstützung der Vereinigten Staaten.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten sind sogar bereit, die Macht auch wieder mit den mittelalterlichen Taliban zu teilen; sie haben die nur in ihrer Vorstellung existierende Kategorie der "gemäßigten Taliban" erfunden und sie eingeladen, sich an der Regierung zu beteiligen. Gulbuddin Hekmatyar, ein Mann, der vor acht Jahren ziemlich weit oben auf der Liste der gesuchten Terroristen stand, wurde gebeten, in die Regierung einzutreten.

Im Laufe der letzten acht Jahre haben die Vereinigten Staaten durch die Unterstützung der Drogenbarone mitgeholfen, mein Land zum größten Rauschgift-Lieferanten der Welt zu machen. Heute werden 93 Prozent des gesamten Opiums der Welt in Afghanistan produziert. Viele Parlamentsabgeordnete und hochrangige Offizielle ziehen ganz offen Nutzen aus dem Drogenhandel. Der eigene Bruder des Präsidenten Karzai ist ein weithin bekannter Drogenhändler.

Gleichzeitig lebt ein Großteil der afghanischen Bevölkerung in schlimmer Armut. Auf dem letzten Human Development Index (dem Index der Entwicklungsmöglichkeiten für Menschen) der Vereinten Nationen steht Afghanistan unter 182 Ländern an 181. Stelle. (Die Statistik ist aufzurufen unter http://hdr.undp.org/en/statistics/ . Die Bundesrepublik Deutschland steht hinter Großbritannien auf Platz 22.) Achtzehn Millionen Afghanen müssen von weniger als zwei Dollar pro Tag leben. In vielen Teilen Afghanistans sind Mütter bereit, ihre Kindern zu verkaufen, weil sie nicht genug Nahrung für sie haben.

Afghanistan hat in den letzten acht Jahren Hilfszahlungen in Höhe von 36 Milliarden Dollar erhalten, und die Vereinigten Staaten allein geben täglich 165 Millionen Dollar für ihren Krieg (in Afghanistan) aus. Und doch bleibt mein Land in den Händen von Terroristen und Verbrechern. Mein Volk hat kein Interesse am gegenwärtigen Schauspiel der Präsidentenwahl, weil es in Afghanistan nichts ändern wird. Sowohl Karzai als auch Dr. Abdullah werden von den Afghanen gehasst, weil beide US-Marionetten sind.

Die schlimmste Begleiterscheinung dieses Krieges ist die Unterdrückung der Wahrheit. Alle, die aufstehen und ihre Stimme gegen die Ungerechtigkeit, die Unsicherheit und die Besetzung erheben, setzen ihr Leben aufs Spiel und sind gezwungen, Afghanistan zu verlassen, um nicht getötet zu werden.

Wir sind eingepfercht zwischen drei mächtigen Feinden: zwischen den Besatzungsstreitkräften der USA und der NATO, den Taliban und der korrupten Regierung des Hamid Karzai.

Jetzt denkt Präsident Obama daran, noch mehr Truppen nach Afghanistan zu entsenden und die falsche Politik des vorherigen Präsidenten Bush einfach fortzusetzen. Tatsächlich haben die schlimmsten Massaker seit dem 11. 9. während der Amtszeit Obamas stattgefunden. Meine Heimatprovinz Farah wurde im Mai dieses Jahres von den US-Streitkräften bombardiert. Von den einhundertfünfzig getöteten Menschen waren die meisten Frauen und Kinder. Am 9. September starben bei einem US-Bombardement in der Provinz Kunduz 200 Menschen.

Mein Volk hat genug. Deshalb fordern wir ein sofortiges Ende der US-Besetzung.

aus: "MercuryNews.com", 10.11.2009


World Wide Web aixpaix.de

Dossier: Der Afghanistan-Konflikt

Im Rahmen seiner Reihe "Monitoring-Projekt Zivile Konfliktbearbeitung - Gewalt- und Kriegsprävention legte Prof. Dr. Andreas Buro sein Dossier vor.

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Friedensplan der Nationalen Friedens-Jirga Afghanistans

Die Nationale Friedens-Jirga Afghanistans hat am  14.01.2009 in Kabul einen Plan vorgelegt, in dem sie den dringenden Wunsch nach Frieden äußert, damit in Afghanistan eine Gesellschaft entsteht, in der Freiheit, Menschenrechte und Menschenwürde geachtet werden.

Die  Nationale Friedens-Jirga Afghanistans sieht es als ihre nationale und religiöse Pflicht an, das Töten von Menschen zu verhindern. Ihre Botschaft lautet:“Krieg ist keine Lösung von Problemen. Der einzig wirksame Weg, der Afghanistan Sicherheit und Stabilität bringen kann, ist Frieden.“

Wortlaut in Deutsch und Englisch

Gemeinsame Erklärung der Nationalen Friedens-Jirga Afghanistans und der Kooperation für den Frieden

"Frieden in Afghanistan ist möglich, aber nicht durch die Fortführung des Krieges und die ständige Eskalation der Kampfhandlungen", heißt es in der Erklärung.

Deutschland drohe nach sieben Jahren militärischen Afghanistan-Engagements immer tiefer in den Strudel des Krieges zu geraten. "Die Zahl der afghanischen Opfer, darunter vor allem Zivilisten, Frauen und Kinder, steigt beständig. Mittlerweile sterben Monat für Monat in Afghanistan auch mehr ausländische Soldaten als im Irak. Wann auch deutsche Soldaten in höherem Maße Blutzoll zahlen müssen, scheint nur noch eine Frage der Zeit."

In dieser für Deutschland und Afghanistan dramatischen Situation treten die Nationale Friedens-Jirga Afghanistans und die deutsche Kooperation für den Frieden gemeinsam für eine friedliche Lösung des Afghanistankonflikts ein.

Die Erklärung im Wortlaut

Vorschlag für einen Waffenstillstand in der Provinz Kundus

Die Erklärung im Wortlaut

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