26.08.2010 - Versöhnung mit den Taliban sei letztlich das Ziel für die Zukunft Afghanistans und die afghanischen und US-Truppen hätten die Bedingungen zu schaffen, um dieses Ziel zu erreichen. Das erklärte der Oberkommandierende der US- und ISAF-Truppen in Afghanistan, General David Petraeus, am Mittwochabend (Ortszeit) in einem Interview mit dem US-Fernsehsender Fox.
Wie Petraeus erklärte, hätten in den letzten Tagen kleinere Gruppen von Aufständischen und kleinere Anführer die Waffen niedergelegt.
Versöhnung („reconciliation“) sei aber mehr als Reintegration, weil sie auf höheren Ebenen vonstatten gehen müsse. Der afghanische Präsident Karzai hatte als Bedingungen für eine Reintegration der Taliban in die afghanische Gesellschaft genannt: Akzeptieren der Verfassung, Niederlegen der Waffen und Trennung von Al Kaida. Wenn diese „roten Linien“ eingehalten werden, dann - so Petraeus - sehe er nicht „warum wir die Versöhnung nicht unterstützen sollten.“
„Wenn es eine Bereitschaft auf den Führungseben gibt, das zu tun und sie tatsächlich bereit sind, diese Schutzmaßnahmen zu akzeptieren, … dann sollte man die Versöhnung wünschen.“ Die USA förderten solche Treffen nicht, „aber es ist vieles in der Infomationsschleife“ und in einer Reihe von Fällen sei das hilfreich. Die USA führten aber selbst keine Verhandlungen.
Die USA hatten bisher die Position vertreten, niemals mit den Taliban zu verhandeln. Bei seinem Amtsantritt Ende Juli hatte Petraeus noch in einer Vier-Seiten-Order an die rund 120.000 Soldaten der Nato-Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) zum unerbittlichen Kampf gegen die Taliban auf gerufen und mit martialischen Worten Kampfeswillen für die zweifelsohne schwierigsten Monate im achten Kriegsjahr eingefordert: "Jagt den Feind ohne Unterlass", schreibt er, "rammt eure Zähne gemeinsam mit den afghanischen Partnern in ihr Fleisch und lasst nicht mehr los."
Pressebericht (engl.) "foxnews"
Kommentar von Otmar Steinbicker "Verwirrende Signale um weiteren Afghanistan-Kurs"
26-08-2010 - Nächtliche Zugriffe, Drohnenattacken: In Afghanistan haben verdeckt agierende Spezialtruppen, vor allem die Special Forces der USA, ihre Jagd auf Taliban massiv ausgeweitet. Allein in den vergangenen drei Monaten eliminierten die Eliteeinheiten 365 Kommandeure der Aufständischen.
Der vermehrte Einsatz der Schattenkrieger ist für Insider nicht neu. Doch erstmals in der Geschichte des neunjährigen Afghanistan-Kriegs sind nun konkrete Zahlen über den Einsatz, über den weder Nato noch die US-Armee öffentlich sprechen, genannt worden: In der zweiten Augustwoche gab die Führung der Nato-Truppen unter Isaf-Oberbefehlshaber David Petraeus streng vertraulich einen Überblick über eine massive Anti-Taliban-Offensive, die seit Ende 2009 läuft.
Diplomaten indes äußerten Zweifel, wie die robuste Militärstrategie mit dem Ziel in Einklang gebracht werden kann, die bei diversen Konferenzen beschlossene politische Verhandlungslösung mit den Taliban zu finden. "In der Militärführung heißt es oft, mit den Taliban könne man am besten verhandeln, wenn sie am Boden sind", sagte ein europäischer Diplomat nach einem Gespräch mit der Isaf-Führung, "vielleicht aber wirken die Operationen als zusätzliche Motivation für die Aufstandsbewegung."
Die Bundeswehr beteiligt sich bisher nicht an der tödlichen Hatz auf die Taliban-Spitze, auch die deutsche Spezialeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) hält sich aus den Operationen der US-Einheiten heraus. Ahnungslos sind die Deutschen jedoch keineswegs. In Masar-i-Scharif sitzt seit Monaten ein Amerikaner als stellvertretender Chef des Regionalkommandos Nord. Er informiert seinen Chef, Brigadegeneral Hans-Werner Fritz, genau über Pläne und Ausführung von Missionen. Auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wird detailliert darüber unterrichtet. Bisher aber schaut die Bundeswehr nur zu, wenn die US-Kräfte kämpfen.
Pressebericht "Spiegel-online"
Weitere Berichte aus Afghanistan
Im Rahmen seiner Reihe "Monitoring-Projekt Zivile Konfliktbearbeitung - Gewalt- und Kriegsprävention legte Prof. Dr. Andreas Buro sein Dossier vor.
Der Plan von Naqibullah Shorish, dem wichtigsten Stammesführer Afghanistans, der über drei Millionen Menschen repräsentiert, ist der derzeitig einzige international von den unterschiedlichen Seiten diskutierte Friedensplan. Die Taliban-Führung um Mullah Omar hat den „Shorish-Plan“ im Grundsatz, nicht in allen Details, akzeptiert.
Zur Bedeutung des Shorish-Plans
Interview mit Naqibullah Shorish
Auf vier Seiten stellt Otmar Steinbicker knapp und verständlich die Chancen für Friedensverhandlungen in Afghanistan vor und widerlegt die Mär von den verhandlungsunfähigen Taliban.
Das Infoblatt zum Download