Vierergipfel

Greift Russland in den Afghanistan-Krieg ein?

18-08-2010 - Eine Meldung der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti vom Mittwoch über den Vierergipfel der Präsidenten Russlands, Afghanistans, Pakistans und Tadschikistans machte Beobachter stutzig. Wörtlich hieß es in dieser Meldung:

"Russland hat Afghanistan jegliche Hilfe bei der Terror-Bekämpfung und bei der Wiederherstellung des Friedens im Land zugesichert.

'Russland unterstützt die Bemühungen Afghanistans zur Wiederherstellung des Friedens im Land. Wir unterstützen den Kampf der afghanischen Regierung gegen den Terrorismus und sind bereit, dabei jegliche Hilfe zu leisten', sagte der russische Präsident Dmitri Medwedew während des Treffens mit seinem afghanischen Amtskollegen Hamid Karsai am Mittwoch in Sotschi."

Die spannende Frage: Wie weit geht "jegliche Hilfe"?

Irina Wolkowa, die Moskauer Korrespondentin der Zeitung "Neues Deutschland", mochte sich in ihrem Bericht für die Ausgabe vom Donnerstag nicht festlegen.

"Ob Russland und dessen Verbündete ebenfalls an militärische Präsenz denken, blieb dabei zwar offen. Doch da für Moskau das Drogenproblem absolute Priorität hat, führt nach Meinung von Experten auf längere Sicht kein Weg an der Entsendung von Spezialeinheiten vorbei. Hochrangige russische Politiker – aktive und ehemalige – haben sich dafür stark gemacht, die Anti-Terror-Operation durch eine Anti-Drogen-Operation zu ergänzen und diese ebenfalls mit UN-Mandat auszustatten. Unter diesen Voraussetzungen konnte sich Medwedjew im Dezember bei seinen Konsultationen mit NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sogar begrenzte gemeinsame Operationen vorstellen. Zu mehr als höflichem Interesse hat sich der Westen bisher jedoch nicht aufgerafft, obwohl die afghanischen Warlords ihre Kriegskassen vor allem mit Opiumdollars füllen."

Russland hatte bisher ein Eingreifen mit eigenen Truppen aufgrund der Erfahrungen des eigenen Afghanistan-Krieges abgelehnt, zunehmend aber der NATO logistische Hilfe angeboten. So führt heute die wichtigste Transportroute für den Nachschub der NATO nicht mehr über Pakistan und den Khyber-Pass, sondern über Russland und Tadschikistan vorbei an Kunduz in Richtung Kabul. Damit wurde auch das Bundeswehrkontigent in Kunduz stärker in den Krieg einbezogen, um die Nachschubroute vor Angriffen der Aufständischen zu schützen.

Pressebericht "Neues Deutschland"

Pressebericht (franz.) "Le Monde"

Pressebericht (engl.) "Washington Post"


World Wide Web aixpaix.de

Dossier: Der Afghanistan-Konflikt

Im Rahmen seiner Reihe "Monitoring-Projekt Zivile Konfliktbearbeitung - Gewalt- und Kriegsprävention legte Prof. Dr. Andreas Buro sein Dossier vor.

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Friedensplan der Nationalen Friedens-Jirga Afghanistans

Die Nationale Friedens-Jirga Afghanistans hat am  14.01.2009 in Kabul einen Plan vorgelegt, in dem sie den dringenden Wunsch nach Frieden äußert, damit in Afghanistan eine Gesellschaft entsteht, in der Freiheit, Menschenrechte und Menschenwürde geachtet werden.

Die  Nationale Friedens-Jirga Afghanistans sieht es als ihre nationale und religiöse Pflicht an, das Töten von Menschen zu verhindern. Ihre Botschaft lautet:“Krieg ist keine Lösung von Problemen. Der einzig wirksame Weg, der Afghanistan Sicherheit und Stabilität bringen kann, ist Frieden.“

Wortlaut in Deutsch und Englisch

Gemeinsame Erklärung der Nationalen Friedens-Jirga Afghanistans und der Kooperation für den Frieden

"Frieden in Afghanistan ist möglich, aber nicht durch die Fortführung des Krieges und die ständige Eskalation der Kampfhandlungen", heißt es in der Erklärung.

Deutschland drohe nach sieben Jahren militärischen Afghanistan-Engagements immer tiefer in den Strudel des Krieges zu geraten. "Die Zahl der afghanischen Opfer, darunter vor allem Zivilisten, Frauen und Kinder, steigt beständig. Mittlerweile sterben Monat für Monat in Afghanistan auch mehr ausländische Soldaten als im Irak. Wann auch deutsche Soldaten in höherem Maße Blutzoll zahlen müssen, scheint nur noch eine Frage der Zeit."

In dieser für Deutschland und Afghanistan dramatischen Situation treten die Nationale Friedens-Jirga Afghanistans und die deutsche Kooperation für den Frieden gemeinsam für eine friedliche Lösung des Afghanistankonflikts ein.

Die Erklärung im Wortlaut

Vorschlag für einen Waffenstillstand in der Provinz Kundus

Die Erklärung im Wortlaut

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