Afghanistans Stammesführer Naqibullah Shorish
Die Länder des Westens brauchen Frieden in Afghanistan
25. September 2012
Naqibullah Shorish. Foto: Harald Krömer
Die Länder des Westens brauchen Frieden in Afghanistan, nicht nur für die Afghanen, auch für sich selbst.
Wie es jetzt aussieht, haben die Länder des Westens den Weg zum Frieden verloren und greifen verzweifelt in alle Richtungen, um sich selbst zu retten. Aber haben sie eine ernsthafte Vorstellung von einer Friedenslösung für Afghanistan oder ist es wieder eine unausgereifte Idee, wie die Vorstellung von einer künstlichen „Demokratie“, die nicht auf den historischen Wurzeln afghanischer Demokratie aufbaut? Wie soll ein Frieden erreicht werden ohne Friedensgespräche und ohne die Zustimmung der afghanischen Nation zu einer Friedenslösung?
Unsere Regierung wurde vom Ausland bestimmt, auch unser Regierungssystem, unser Parlament, unsere Soldaten und unsere Zukunft. Da alles so gut funktioniert, soll jetzt auch der Frieden von im Ausland hergestellt und dann nach Afghanistan verpflanzt werden.
Hat die NATO wirklich nichts kapiert oder will sie nichts kapieren? Seit elf Jahren kämpft die NATO gegen 25.000 Taliban und das Einzige, was sie erreicht hat, ist, dass sich die afghanische Nation sich von der afghanischen Regierung und von der Nato distanziert hat.
Warum? Weil die NATO versucht, alles von außen zu gestalten und dabei weder unsere Religion, noch unsere Kultur und unsere Nation achtet.
Wir brauchen Frieden für uns und für unsere Region. Wir haben keine Problemen mit unseren Nachbarländern. Die Problemen dieser Länder sind nicht unsere Probleme, wir haben diese Probleme nicht verursacht. Sie sind für ihre Probleme selbst verantwortlich.
Als 1978 in Afghanistan die Kommunisten an die Macht kamen, haben wir dagegen gekämpft. Wir wollten eine selbst gewählte Regierung, ein selbst gewähltes Parlament und eine Demokratie, die unsere Religion und unsere Kultur respektiert. Dafür haben wir mehr als zwei Millionen Menschen verloren.
Wer jetzt für Afghanistan Frieden will, der sollte nicht mit Präsident Karzai reden, denn Karzai will keinen Frieden. Mit ihm sprechen nur Präsident Obama und andere Regierungschefs.
Wer jetzt einen Frieden vermitteln will, der sollte seine Gespräche nicht in Kabul beginnen, damit eine solche Initiative nicht tot geboren wird.