Afghanistans Stammesführer Naqibullah Shorish gegenüber aixpaix.de:

Gezielte Tötungen gefährden Friedensprozess

Naqibullah Shorish. Foto: Harald Krömer

28.8.2012 – Medienberichten zufolge wurde vor wenigen Tagen Badruddin Haqqani, der Sohn von Jalauddin Haqqani und zweite Mann des von Pakistan aus operierenden Haqqani-Netzwerks, der stärksten Formation der Taliban, bei einem US-Drohnenangriff getötet. Von Seiten der Taliban wurde der Tod des Kommandeurs dementiert.

Naqibullah Shorish, Afghanistans wichtigster Stammesführer, der mehr als drei Millionen Afghanen des Kharoti-Stammes repräsentiert, äußerte sich gegenüber dem Aachener Friedensmagazin aixpaix.de besorgt: Die gezielten Tötungen bestimmter Kommandeure bringen alle in Schwierigkeiten, die einen Friedensprozess anstreben. Noch vor wenigen Wochen schrieb die US-Presse, dass die USA bereit sind zu Gesprächen mit den Taliban. Wenn das so ist, dann muss jetzt gesprochen und nicht bombardiert werden! Wie wir in Afghanistan sagen: ‚Man kann nicht zwei Melonen in eine Hand nehmen‘ – man muss sich entscheiden, Gespräche oder Krieg. Mit wem sollen wir sprechen und verhandeln, wenn die Kommandeure tot sind? Mit jedem einzelnen Talib?

Shorish erinnerte daran, dass 2009 der Taliban-Kommandeur von Kunduz von US-Spezialeinheiten getötet wurde, nachdem er einem deutschen Journalisten seine Bereitschaft zum Waffenstillstand signalisiert und nach dem Tanklasterbombardement einen einseitigen Waffenstillstand befohlen hatte.

Der Weg zum Frieden erfordert, dass wir nach vorne schauen. Die Vergangenheit ist Geschichte, unsere Lebensperspektive ist die Zukunft. Nur so können wir uns an einen Tisch setzen und Frieden schaffen, sagte der Stammesführer. Shorish erinnerte in diesem Zusammenhang an die Worte von US-Verteidigungsminister Panetta bei dessen Vietnam-Besuch Anfang Juni. Wir haben eine komplizierte Beziehung, sagte Panetta damals, aber wir sind nicht durch unsere Vergangenheit gefesselt. Wenn die USA in Vietnam nicht gefesselt waren, dann sind sie es in Afghanistan auch nicht, ist Shorish überzeugt.



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