22.05.2011 - Der „Spiegel“ präzisierte am Sonntag Behauptungen der „Washington Post“ über Geheimverhandlungen mit den Taliban:
„Der Spitzendiplomat Michael Steiner, Sonderbeauftragter der Bundesregierung für Pakistan und Afghanistan, moderiert nach Informationen des SPIEGEL die derzeit stattfindenden Geheimgespräche zwischen der US-Regierung und den afghanischen Taliban.
Die beiden Kriegsgegner verhandeln bereits seit Herbst 2010. Nach einem ersten Treffen im Golf-Emirat Katar haben zwei weitere Treffen auf deutschem Boden stattgefunden, eines zum Jahreswechsel, ein weiteres am 7. und 8. Mai.
Auf amerikanischer Seite verhandeln Vertreter des Außenministeriums und des Auslandsgeheimdienstes CIA. Die afghanische Seite wird nach SPIEGEL-Informationen von einem Mann vertreten, der in der Liste der Gesprächsteilnehmer als "Verwandter" des Taliban-Führers Mullah Omar geführt wird. Dieser Mann wurde am vorvergangenen Wochenende eigens für das Treffen nach Deutschland eingeflogen.“
Auch nach aixpaix.de-Informationen gab es die genannten Gespräche. Sie seien jedoch von Seiten der Taliban „auf extremer Sparflamme“ geführt worden, hieß es in Kabul. Nach unbestätigten Berichten soll sich der Taliban-Kontaktmann nach der Veröffentlichung in der „Washington Post“ zurückgezogen haben. Damit sei die „Sparflamme“ erloschen.
Der aixpaix.de-Redaktion ist bekannt, dass das Auswärtige Amt seit längerem Kontakt zu einem Taliban-Vertreter unterhält. Jeder Diplomat, der zu Afghanistan ernst genommen werden will, rühmt sich mittlerweile solcher Kontakte.
Thomas Ruttig von der Stiftung „Wissenschaft und Politik“ schreibt in „Afghanistan Analyst Network“, es handele sich bei dem Taliban-Vertreter, der die Verhandlungen geführt habe, um Tayyeb Agha, einen ehemaligen Sprecher von Mullah Omar. Doch wie viel Einfluss hat Tayyeb Agha heute noch? „Tayyeb Agha ist längst weg vom Fenster“, hieß es in Kabul gegenüber aixpaix.de.
Die Talibanführung hatte am 18. Mai den Bericht der „Washington Post“ gegenüber dem in Pashtu erscheinenden pakistanischen online-Magazin „Taand“ dementiert. aixpaix.de liegt eine deutsche Übersetzung vor. Darin bezeichnete Taliban-Sprecher Zabiullah Mujaded die Äußerungen des afghanischen und der amerikanischen Regierungsangehörigen als haltlos.
Mujaded betonte: "Wir möchten noch mal sehr deutlich sagen, dass es sich bei der Behauptung, es gebe Gespräche mit den Invasoren, lediglich um grundlose Gerüchte handelt. Darüber hinaus ist die Behauptung, wonach die Taliban die Eröffnung einer Vertretung in einem fremden Land anstreben, von jeder Realität entfernt. Wir haben zu keinem Zeitpunkt, kein Land einschließlich Qatar, um Unterstützung bei der Eröffnung einer Vertretung gebeten. Wir kontrollieren mehr als die Hälfte des Landes und wir haben auch dies stets unter Beweis stellen können. Dieses Land ist unsere einzige Vertretung und niemand kann dies verleugnen. Das wissen sowohl unsere Freunde als auch unsere Feinde. Wir verfügen sehr wohl über eine Anschrift und auch über eine eigene Heimat. Anstatt einer realistischen Lösung des Konflikts beizutragen, verbreiten die Amerikaner nur Gerüchte die dem Friedensprozess Schaden zufügen. Und das ist auch ein Beweis dafür, dass sie über keine Strategie zur Lösung des Konflikts verfügen. Somit sind all ihre Bestrebungen für die Beendigung des Konflikts zum Scheitern verurteilt."
Die Taliban haben in ihrer Stellungnahme besonders darauf beharrt, dass sie bei der Eröffnung einer Vertretung nicht Qatar um Unterstützung gebeten haben. Dennoch hatten US-Regierungsmitarbeiter, die ihre Identität nicht preisgaben, in der „Washington Post“ berichtet, dass die Taliban eine mehrheitliche Beteiligung an der afghanischen Regierung verlangen. Darüber hinaus würden sie auch eine Vertretung mit dem Namen islamisches Emirat Afghanistan in Qatar verlangen. Jedoch hätten die Amerikaner einer Vertretung mit diesem Namen nicht zugestimmt.
Die Taliban hatten bereits in der Vergangenheit mehrfach Gespräche mit der afghanischen Regierung abgelehnt. Jetzt hieß es, sie seien jedoch grundsätzlich zur Gesprächen mit den USA bereit.
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Das Infoblatt zum Download