Light Wilson Aganwa (SONAD)

Friedensorganisation aus dem Sudan zu Besuch in Aachen

Um Kontakt mit der deutschen Friedensbewegung aufzunehmen und offizielle Beziehungen zur “Kooperation für den Frieden” herzustellen, besuchte Light Wilson Aganwa, Direktor der sudanesischen Friedensorganisation SONAD, Ende Juni 2009 Aachen.

Im Gespräch mit Otmar Steinbicker, einem der fünf Sprecherinnen und Sprecher der Kooperation sowie Aachener Journalisten, erläuterte Aganwa die schwierige komplexe Situation in seinem Heimatland und das Wirken seiner Friedensorganisation „Sudanese Organization for Non-Violence and Development“ (SONAD).

Der Konflikt im Sudan habe weit zurückreichende historische Wurzeln. So habe die britische Kolonialmacht vor der Unabhängigkeit die Entwicklung auf den arabisch-stämmigen moslemischen Norden konzentriert und die Entwicklung des afrikanisch-stämmigen Südens den christlichen Kirchen überlassen.

Schon vor und erst recht nach der Unabhängigkeit am 1.1.1956 gab es Spannungen zwischen den ethnisch und religiös stark unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen im Norden und Süden.

So haben von 1956 bis 1972 die Südsudanesen die Regierung in Khartum bekämpft. Ein 1972 geschlossenes Friedensabkommen wurde 1983 von der Regierung zurückgenommen. Erst auf Druck verschiedener europäischer Regierungen, darunter Deutschland kam es 2005 zu einem erneuten Friedensabkommen.

“Auch in Darfur geht es um Entwicklung und Ethnien, aber nicht um Religion, da alle Stämme Moslems sind“, erklärte Aganwa. „2004 war der Höhepunkt des Konflikts. Die Darfuris hatten den Eindruck, dass sie bei einer Einigung zwischen Nord und Süd auf der Strecke bleiben”.

Die Friedensorganisation SONAD sei 1994 von Studenten gegründet die als Binnenflüchtlinge aus dem Süden in der Hauptstadt Khartum lebten.

„Wir haben über die Menschenrechte aufgeklärt, Menschenrechtsverstöße dokumen- tiert und diese Verstöße internationalen Organisationen mitgeteilt. Wir haben aufgefordert, die Regierung nicht mit Gewalt zu bekämpfen, sondern mit Rechtsmitteln“, erzählte Light Wilson Aganwa.

Im nächsten Schritt entwickelte SONAD den interreligiösen Dialog und den Dialog zwischen den Ethnien. Es gibt 570 Ethnien im Sudan. „SONAD erreicht über 90 ethnische Gruppen“, berichtete Aganwa nicht ohne Stolz.

Absolut notwendig sei die Aufrechterhaltung des Konzepts der Gewaltfreiheit. „Wie können wir präventiv gegen Gewalt bei den Wahlen 2010 vorgehen?“ Es sei nicht klar, ob es 2011 zum Referendum komme. Wenn nicht, dann könne es passieren, dass die südsudanesische Regierung die Unabhängigkeit ausruft und es daraufhin zum Krieg kommt.

Von den Beziehungen zur deutschen „Kooperation für den Frieden“, dem Zusammenschluss von 50 Friedensorganisationen und -initiativen erwartet SONAD Direktor Light Wilson Aganwa Rat und Hilfe für die schwierige Friedensarbeit im Sudan. „Wir möchten Tipps, wie wir unsere Workshops mit Teilnehmern aus den unterschiedlichen Ethnien besser gestalten können".

Homepage (engl.)


World Wide Web aixpaix.de

Krieg ist die
"ultima irratio"

Das Afghanistan-Desaster der NATO zeigt ebenso wie andere Militäraktionen, dass Kriege heute kaum noch gewinnbar sind. Zu glauben, man könne damit Probleme lösen, erweist sich immer häufiger als tödliche Illusion.

Zivile Konfliktbearbeitung dagegen kann Bürgerkriege beenden. Der Aachener Karlspreisträger Andrea Riccardi hat das in Moçambique eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Krieg hat aufgehört, "ultima ratio" zu sein, Krieg wird immer deutlicher zur "ultima irratio".

So ist es ein wenig still geworden um die vor wenigen Jahren noch hochgepriesenen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ihre Perspektive steckt in der Sackgasse Afghanistan. Längst sind die Generale kleinlaut geworden, geben offen zu, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind, dass Militär keinen Frieden schaffen kann. Allenfalls Zeit gewinnen, damit Politik Frieden schaffen kann, lautet jetzt ihre Devise.

Die offenkundige Krise militärischer Möglichkeiten stärkt die Chancen für eine neue Sicherheitsdebatte, mit dem Ziel, ernsthaft den Krieg zu ächten. Der Schlüssel liegt in der von einem der Obama-Vorgänger, Woodrow Wilson, während des Ersten Weltkrieges entwickelten Konzeption der kollektiven Sicherheit. Dabei geht es darum, nicht die Sicherheit einzelner Staaten auf Kosten anderer Staaten, sondern die Sicherheit aller Staaten gemeinsam zu gewährleisten. Der Krieg muss als gemeinsame Gefahr für alle aufgefasst werden, der die Interessen der gesamten Gemeinschaft berührt". Sicherheit wird damit als unteilbar betrachtet.

Otmar Steinbicker