Der Mittlere Osten ohne Massenvernichtungswaffen, ein zivilgesellschaftlicher Beitrag
Der Weg nach vorn
16.12.2012 – Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz Der Mittlere Osten ohne Massenvernichtungswaffen, der Weg nach vorn – ein zivilgesellschaftlicher Beitrag, die vom 14. bis 16. Dezember 2012 in Helsinki stattfand, begrüßen die Vereinbarung der NVV-Überprüfungskonferenz von 2010, dass der UN-Generalsekretär und die Co-Sponsoren der Resolution von 1995, in Absprache mit den Staaten der Region, für 2012 eine Konferenz einberufen werden, an der alle Staaten des Mittleren Ostens teilnehmen sollen – eine Konferenz zur Schaffung einer Zone frei von Atomwaffen und allen anderen Massenvernichtungswaffen im Mittleren Osten auf der Grundlage von frei getroffenen Vereinbarungen zwischen den Ländern der Region und mit voller Unterstützung und Mitwirkung der Staaten in Atomwaffenbesitz und den jährlichen Konsensbeschluss der Generalversammlung der Vereinten Nationen zur Schaffung einer Atomwaffenfreien Zone im Mittleren Osten (A/RES/67/28).
Die Anwesenden der gegenwärtigen zivilgesellschaftlichen Konferenz sind empört über die Entscheidung, den Zeitpunkt der Konferenz neu abzustimmen. In Anbetracht der Tatsache, dass es bereits Androhungen eines umfassenden Krieges bzw. von Formen der Kriegführung gegen den Iran gibt, ist die Vertagung der Konferenz eine ernsthafte Bedrohung für den Frieden im Mittleren Osten.
Keine Lebensdauerverlängerung der Atomwaffen in Europa
13.09.2012 – Die Kampagne "atomwaffenfrei.jetzt" wendet sich gegen die Modernisierung und den weiteren Verbleib der US-Atomwaffen in Deutschland. In der heute veröffentlichten Studie "Atomwaffen-Modernisierung in Europa – Das Projekt B 61-12" belegen die Autoren Otfried Nassauer und Gerhard Piper, dass die USA weit mehr planen als eine simple Lebensdauerverlängerung der atomaren Bomben.
27.08.2012 – Angesichts der jüngst publik geworden Pläne Israels, den Iran anzugreifen, ruft die Kampagne atomwaffenfrei.jetzt die Friedensbewegung auf, am 1. September 2012, dem Anti-Kriegstag, für eine friedliche Konfliktlösung und eine atomwaffenfreie Zone im Nahen Osten aktiv zu werden.
Unter dem Motto "Verträge statt Bomben" startet atomwaffenfrei jetzt eine Online-Mitmachaktion an Außenminister Westerwelle.
Es ist unbedingt notwendig, dass Israel und Iran an einen Tisch kommen, um über Atomwaffen zu reden, betont Regina Hagen, Sprecherin der Kampagne. Iran zu bombardieren wird seine Führung erst recht provozieren, Atomwaffen zu bauen. Besser wäre es, sich auf einen Prozess zu einigen, der Atomwaffen für Iran und Israel gleichermaßen verbietet. Deutschland muss dieses Ziel in den Vordergrund seiner diplomatischen Bemühungen rücken.
Erklärung des pax christi-Präsidenten Bischof Heinz Josef Algermissen, Fulda, zum Hiroshima-Gedenktag 2012
Dem Vergessen unser Engagement entgegensetzen
Bischof Heinz Josef Algermissen
Die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki wurden 1945 durch Atomwaffen zerstört. An die Menschen, die dabei ihr Leben verloren, aber auch an die wenigen Überlebenden und deren Schicksal erinnern wir zum Jahrestag der Atombombenabwürfe am 6. und 9. August. In Gebet und Stille ehren wir ihr Andenken und bekräftigen ihre Würde durch unser Versprechen, sie niemals zu vergessen.
Der Hiroshima-Gedenktag erinnert uns an die Aktualität unserer Verantwortung für eine Politik der nuklearen Abrüstung. Eine Welt ohne Atomwaffen kann erreicht werden, wenn die Weltgemeinschaft sie wirklich will. Fast scheint es aber als habe sich die Gesellschaft so sehr an Atomwaffen als Bestandteil unserer Sicherheitspolitik im Nato-Bündnis gewöhnt, dass die damit verbundene Gefahr völlig aus dem Blick gerät. Politik und Militärstrategien tragen dazu bei, indem sie uns Atomwaffen heute als reine Abschreckungsmaßnahme präsentieren, deren Einsatz eigentlich gar nicht geplant sei. Denn ihre bloße Existenz erziele bereits die erstrebte abschreckende Wirkung.
Was taugt der Atomteststopp, wenn er nicht die Trägersysteme einschließt?
Giorgio Franceschini
16.05.2012 – Mit Giorgio Franceschini, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), sprach aixpaix-Herausgeber Otmar Steinbicker am Rand des Kongresses "Friedenskultur 2012" über das heikle Thema der Modernisierung von Atomwaffen.
aixpaix.de: Einer der aktuell stark diskutierten Aspekte in der Atomwaffendebatte ist die Frage der Modernisierung der Atomwaffen, vor allem der Atomwaffen der USA. Was ist der Stand der Dinge?
Giorgio Franceschini: Die Entwicklungen im amerikanischen Nuklearwaffenkomplex der ersten beiden Jahrzehnte nach dem Kalten Krieg waren vielschichtig. Quantitativ hat sich das Arsenal seit Ende des Kalten Krieges um etwa ein Viertel verkleinert, bei gleichzeitiger Reduzierung der Kernwaffentypen um den Faktor drei. Das Atomwaffenpotential der USA stammt noch aus dem Kalten Krieg. Die Pläne neuartige Kernwaffen zu bauen sind gescheitert. Der „neueste“ amerikanische Sprengkopf ist nach wie vor der in den 1980er Jahren entwickelte W88.
aixpaix.de: Weil es de facto einen Teststopp für Atomsprengköpfe gibt?
Giorgio Franceschini: Ja, aber wir schauen zu stark auf die Sprengköpfe, wir müssen stärker auf die Trägerwaffen achten. Was taugt der Atomteststopp, wenn er nicht alle Komponenten einschließlich der konventionellen und der Trägerwaffen einschließt?
Deutsche Banken unterstützen die Herstellung von Atomwaffen
Deutsche Finanzinstitute unterstützen Unternehmen bei der Herstellung und Modernisierung von nuklearen Waffen. Nach einem neuen Bericht der Internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) und ethisches Investment Firma Profundo investieren u.a. Deutsche Bank, Allianz, Commerzbank und BayernLB in die Hersteller von Atomwaffen.
Die 180-seitige Studie "Don´t Bank on the Bomb" (Die Bombe ist eine schlechte Investition) ist die erste globale Umfrage über Investitionen in Herstellerfirmen von Nuklearwaffen. Sie identifiziert mehr als 300 Finanzinstitute in 30 Ländern mit erheblichen Investitionen in Unternehmen, die US-amerikanische, britische, französische und indische Atomsprengköpfe sowie Raketen, Bomber und atomwaffenfähige U-Boote produzieren. Elf der Finanzinstitute sind in Deutschland ansässig.
66. Jahrestage der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki
IPPNW: Gedenken an alle Strahlenopfer der nuklearen Kette
05.08.2011 - Anlässlich der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki erinnert die ärztliche Friedensorganisation IPPNW an alle Strahlenopfer der nuklearen Kette vom Uranabbau über den "Normalbetrieb" der Atomkraftwerke, den Einsatz und das Testen von Atomwaffen bis hin zur ungelösten Atommüllendlagerung.
66 Jahre nach dem Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki
Stoppt die Modernisierung – Atomwaffen endlich abschaffen
02.08.2011 - Noch immer lagern US-Atomwaffen in Deutschland, militärisch bedeutungslos aber gefährlich. Pläne für die Modernisierung dieser US-Atomwaffen in Büchel liegen im Pentagon bereit und sollen die alten Atomwaffen ab 2017 ersetzen. Nicht der Abzug dieser Relikte des kalten Krieges ist geplant. Die neue NATO Atomwaffenstrategie soll die Modernisierung ermöglichen – dies musste die Bundesregierung jüngst erst wieder zugeben. Ihre Pläne den Abzug über NATO Gespräche zu erreichen (wenn sie denn ernst waren) sind gescheitert.
Bundesregierung muss Abzug der US-Atomwaffen aus Büchel durchsetzen
15.07.2011 - Die japanische Zeitung "Asahi Shimbun" vom Freitag (15.7.) zitiert einen mit Abrüstungsfragen beauftragten US-Beamten, dass die USA den Abzug aller taktischen Atomwaffen aus Europa erwägen. Dies solle im Rahmen der NATO besprochen werden. Gründe für den Abzug sind die Kosten der Stationierung und das Ziel einer Welt ohne Atomwaffen.
Die Bundesregierung müsse die Chance zu einem bedeutungsvollen Schritt auf eine Welt ohne Atomwaffen hin tatkräftig nutzen. "Ein Forcieren des Abzugs der US-Atomwaffen aus Büchel und aus Europa wäre die Gelegenheit für die Bundesregierung, nicht nur als Waffenexporteur an fragliche Empfänger gesehen zu werden, sondern für die weltweite Abrüstung sichtbar einzustehen", so Jens-Peter Steffen, Friedensreferent der IPPNW. Mit Friedensorganisationen wie der Kampagne "unsere zukunft - atomwaffenfrei" und der Bürgermeisterbewegung "Mayors for Peace" wird in einem Aufruf zum 66. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki der Abzug der mindestens 20 einsatzbereiten US-Atomwaffen in Büchel in der Eifel gefordert.
IPPNW kritisiert deutsche Unterstützung der Raketenabwehr
"Raketenabwehr gefährdet Abzug der Atomwaffen aus Europa"
Hindernis für START-Ratifizierung
13.01.2011 - Der bilaterale Abrüstungsvertrag "START" soll morgen in der russischen Staatsduma ratifiziert werden. START begrenzt die Anzahl der strategischen Atomwaffen Russlands und der USA auf 1.550. Die Ärzteorganisation IPPNW ruft die Abgeordneten der Duma auf, den Vertrag schnell zu ratifizieren und damit weitergehende Abrüstungsgespräche, vor allem über taktische Atomwaffen, zu ermöglichen. "Die Abgeordneten der russischen Staatsduma dürfen sich nicht von der Raketenabwehrdebatte in den USA irritieren lassen", erklärt die Abrüstungsexpertin der IPPNW Xanthe Hall. Auch die deutsche Unterstützung der Raketenabwehr in Europa sei "kurzsichtig". Deutschland befürworte die Raketenabwehr, damit die USA einem Abzug der taktischen Atomwaffen aus Europa zustimmen. Die Frage der Raketenabwehr blockiere jedoch Russlands Bereitschaft zu weiteren Abrüstungsgesprächen.
Es gibt keine Gründe für Atomwaffen in Deutschland und Europa
Der nukleare Schirm bietet keinen Schutz
13.10.2010 - Es gibt keine überzeugenden Argumente, weiterhin US-Atomwaffen in Deutschland und Europa zu stationieren. Das geht aus der Studie Die NATO und der nukleare Schirm - Gibt es gute Gründe für Atomwaffen in Deutschland und Europa? hervor, die der Friedensforscher Otfried Nassauer im Auftrag der IPPNW erstellt hat.
In der am Mittwoch veröffentlichten IPPNW-Studie hat sich Nassauer mit der Argumentation von Befürwortern der US-Atomwaffen in Europa auseinander gesetzt. Das Bündnis Zukunft ohne Atomwaffen zieht aus seiner Arbeit das Fazit: Der nukleare Schirmbietet keinen Schutz. Er ist vielmehr ein Überbleibsel aus der Ära des Kalten Krieges. Daher forderte das Bündnis auf der Pressekonferenz zur Studie: Die Atomwaffen müssen außer Dienst gestellt werden. Mit einem Vertrag zur Abschaffung aller Atomwaffen "einer Nuklearwaffenkonvention" soll ein neues Zeitalter eingeläutet werden.
29.09.2010 - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Außenminister Guido Westerwelle müssen sich auf dem NATO-Ministertreffen im Oktober für den Abzug der US-Atomwaffen aus Europa einsetzen und die Beendigung Deutschlands an der nuklearen Teilhabe erklären. Das fordert das Bündnis „Zukunft ohne Atomwaffen“ anlässlich der Veröffentlichung des ersten Entwurfs eines neuen strategischen NATO-Konzepts. Der Deutsche Bundestag hat die Bundesregierung im März diesen Jahres aufgefordert, sich mit Nachdruck für den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland und eine reduzierte Rolle der Nuklearwaffen innerhalb der NATO einzusetzen. Dies hatte die Regierung bereits in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben.
Aufruf europäischer Staatsmänner zur atomaren Abrüstung
28-09-2010 - In einem Aufruf in der F.A.Z. fordern 30 europäische Staatsmänner, die Nato solle die Abrüstung zu einem Kernelement ihres strategischen Konzepts machen. Zu den Unterzeichnern gehören Richard von Weizsäcker, Helmut Schmidt und Hans-Dietrich Genscher.
29.08.2010 - Der 19. IPPNW-Weltkongress der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges ist heute in Basel zu Ende gegangen. 800 Ärzte und Medizinstudierenden aus 60 Ländern und fünf Kontinenten haben die Prävention eines Atomkrieges zu ihrer vordringlichsten Aufgabe erklärt. Neben der Klimaveränderung gehe von den Atomwaffen die drängendste Gefahr für Gesundheit und Sicherheit der Menschheit aus.
Die IPPNW unterstützt die Umsetzung des neuen START-Vertrages zwischen den USA und Russland als bescheidenen Schritt auf dem Weg zu einer atomwaffenfreien Welt. Zudem müsse ein umfassender Atomwaffenteststoppvertrag (CTBT) in Kraft treten, ein längst überfälliger Schritt. Andere wichtige Meilensteine wären der Abzug der taktischen US-Atomwaffen aus Europa, ein Verbot der Produktion von spaltbarem Material, die Rücknahme der Atomwaffen aus höchster Alarmbereitschaft, ein Stopp der Modernisierung von Atomwaffen und die Auflösung der Infrastruktur für ihre Produktion und Tests. Die IPPNW fordert die Atomwaffenstaaten auf, diese Schritte umgehend umzusetzen. Zudem unterstützt die Ärzteorganisation alle Bestrebungen zur Einrichtung atomwaffenfreier Zonen im Mittleren Osten und in Europa.
Dokumente über Debatte über Atomteststopp 1950 bis 1980 freigegeben
US-Atomtest im Südpazifik 1954
11.08.2010 - Das National Security Archiv der USA hat am Mittwoch erstamals eine Anzahl Dokumente über die Debatte über einen Vertrag zum Atomteststopp in den Zeiten der Präsidenten Eisenhower bis Carter freigegeben. Darin werden auch die wechselnden Argumentationen der Testbefürworter dokumentiert, mit denen sie den vielfältigen Bemühungen um einen Atomteststopp entgegentraten.
(v.l.) MdL Eva-Maria Voigt-Küppers, Ursula Best (AK Kein Vergessen), Blue Flower, Bürgermeister Arno Nelles, Jürgen Hohlfeld, Arbeitskreis Kein Vergessen, sowie Otmar Steinbicker, Herausgeber des „Aachener Friedensmagazins“. Foto: Wolfgang Sevenich AN/AZ
05.08.2010 - Das Anti-Atomkriegszeichen, gestaltet aus rund 100 Windlichtern, erstrahlte auf dem Vorplatz zur Kirche St. Sebastianus, musikalisch untermalt von Franz-Josef Ritzerfeld, dem Gitarristen des Neuen Chores Würselen.
Zuvor hatte die Sängerin "Blue Flower" (Köln) das Hannes-Wader-Lied "Es ist an der Zeit" mit den bewegenden Schlusszeilen "Fällt die Menschheit noch einmal auf Lügen herein, dann kann es geschehen, dass bald niemand mehr lebt, niemand, der die Milliarden von Toten begräbt" angestimmt.
Diese Aktion bildete den Höhepunkt einer über dreistündigen mit Reden, Antikriegsliedern und besinnlichen Texten gestalteten Gedenk- und Mahnveranstaltung anlässlich des 65. Jahrestages des Atombombenabwurfs auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki.
Um die Vision von einer atomwaffenfreien Welt zu verbreiten, beteiligte sich die Würselener Initiative für den Frieden an der Nacht der 100.000 Kerzen, die weltweit an vielen Orten durchgeführt wurde.
Dadurch war Würselen verbunden mit den großen Gedenkfeiern im Peace Memorial Park in Hiroshima, wo Laternen zum Gedenken an die Opfer entzündet werden.
Pressebericht der Aachener Nachrichten/Aachener Zeitung
Rede von Otmar Steinbicker, Herausgeber des Aachener Friedensmagazins aixpaix.de
USA
Obama legt Plan für Reduzierung der Atomwaffen vor
In 20 Jahren statt 5000 nur noch 3000-3500 Sprengköpfe
15.07.2010 - Einem Bericht der "Washington Post" zufolge plant US-Präsident Barack Obama, die Zahl der Atomsprengköpfe in den USA von derzeit 5000 binnen 20 Jahren auf 3000-3500 zu reduzieren. Die Ausgaben für Atomwaffen sollen dafür ansteigen, von rund 7 Milliarden Dollar 2011 auf mehr als 9 Milliarden Dollar 2030. Aus den bekanntgewordenen Plänen geht nicht hervor wie viele Sprengköpfe davon einsatzbereit und wie viele eingelagert sein sollen.
Das Weiße Haus und der Kreml preisen den erreichten Abrüstungsfortschritt: Bei den Trägersystemen sei im Vergleich zum START-1-Abkommen eine Reduzierung um mehr als die Hälfte vereinbart worden. Bei den atomaren Sprengköpfen sei eine Reduzierung um 30% gegenüber dem Moskauer SORT-Vertrag von 2002 vorgesehen und um 74% im Vergleich zu den Obergrenzen des START-I-Vertrages von 1991.
Die Reduzierungen klingt imposant und das sollen sie auch. Washington und Moskau haben ein starkes Interesse daran, rechtzeitig vor Beginn der Überprüfungskonferenz für den Atomwaffensperrvertrag im Mai 2010 ihre Bereitschaft zur nuklearen Abrüstung zu demonstrieren. Dieser völkerrechtlich verbindliche Vertrag verpflichtet die Nuklearwaffenstaaten seit 40 Jahren, ihr Atomwaffenpotential abzuschaffen.
Fragt man jedoch, wie viele Atomwaffen in den kommenden Jahren aufgrund des neuen Vertrages wirklich abgerüstet werden müssen, so überrascht das Ergebnis. Trägersysteme und Sprengköpfe werden nur scheinbar drastisch reduziert. Die bisherige Obergrenze von 1.600 Trägersystemen stammt aus dem Jahr 1991 und wird schon lange deutlich unterschritten. Auch die Zahl der Sprengköpfe muss nicht drastisch reduziert werden, weil sowohl die USA als auch Russland sich bereits in der Nähe der erlaubten Höchstgrenze aus dem SORT-Vertrag, 2.200 Sprengköpfen, bewegen, die erst Ende 2012 erreicht werden muss. Der neue START-Vertrag verpflichtet zum größten Teil zur Abrüstung von Waffen, die es nicht mehr gibt.
Essen, 21.3.2010 - Mit einer ausdrucksvollen Matinee der "KünstlerInnen für den Frieden" beendeten rund 1.000 Teilnehmer/innen die "Friedenskultur.2010". 40 Jahre nach dem 1970 geschlossenen Atomwaffensperrvertrag fordern sie "die vollständige Abschaffung aller Atomwaffen".
Der Kongress "Friedenskultur.2010" appelliert an die Bundestagsabgeordneten, sich für eine Beendigung der nuklearen Teilhabe Deutschlands einzusetzen. Die nächste Gelegenheit dazu ist die Abrüstungsdebatte des Deutschen Bundestages am kommenden Freitag. Vertreter aller fünf Bundestagsfraktionen haben sich auf der Veranstaltung zu dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt bekannt und bekräftigt, dass die US-Atomwaffen schnellstmöglich aus Deutschland abgezogen werden müssten. Namentlich waren dies Roderich Kiesewetter (CDU/CSU), Uta Zapf (SPD), Dr. Bijan Djir-Sarai (FDP), Paul Schäfer (Die Linke) sowie Agnes Malczak (Bündnis 90/Die Grünen).
Zum Abschluss des Kongresses gab es großen Applaus für Reinhard Paß, den Oberbürgermeister der Stadt Essen: Er ist der internationalen Nichtregierungsorganisation "Mayors for Peace" (Bürgermeister für den Frieden) beigetreten, die sich für eine atomwaffenfreie Welt bis 2020 einsetzt.
US-Ministerium will Alt-Atomwaffen modernisieren - auch in Deutschland
Der Haushaltsentwurf des amerikanischen Energieministeriums enthält eine faustdicke Überraschung. Für die Jahre 2011 bis 2015 wurden fast zwei Milliarden US-Dollar beantragt, mit denen die Modernisierung der Atombomben des Typs B-61 vorangetrieben werden soll. Waffen dieses Typs lagern auch in Europa, unter anderem im Eifeldorf Büchel beim Jagdbombergeschwader 33 der Bundeswehr. Insgesamt hat die US-Luftwaffe derzeit rund 150 strategische B-61-Bomben im aktiven Arsenal, hinzu kommen rund 400 Exemplare mit geringerer Sprengkraft und eine Reserve von etwa 200 weiteren Bomben.
Auf der Überprüfungskonferenz des Nichtverbreitungsvertrages im Mai 2010 in New York müssen Maßnahmen zur atomaren Abrüstung festgelegt werden. Die bereits von der NPT-Konferenz im Jahr 2000 – vor der Bush-Ära – beschlossenen praktischen Schritte zur nuklearen Abrüstung, auch der Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot, müssen endlich verwirklicht werden. Sonst verliert der NPT-Vertrag seinen Sinn. Wenn die NPT-Konferenz scheitert, wäre der Weg offen für ein ungehemmtes atomares Wettrüsten mit immer mehr Atomwaffenstaaten
Die einzige Alternative heißt: eine Welt ohne Atomwaffen.
Die Bundesregierung kann und muss zum Erfolg der NPT-Überprüfungskonferenz erheblich beitragen.
Wir fordern von der Bundesregierung konsequent hin zu wirken auf:
• Abzug der letzten US-Atomwaffen aus Deutschland, • Stop aller Modernisierungspläne für Atomwaffen und ihre Trägermittel,
• Nein zu Atomwaffen in der neuen NATO-Strategie,
• Verzicht auf den Ersteinsatz von Atomwaffen,
• Sicherheits garantien der Atomwaffenmächte gegenüber allen Nicht-Atomwaffenstaaten und atomwaffenfreien Zonen.
Hiroshima und Nagasaki, August 2009: die Lehre heißt abschaffen
Von aixpaix-Autor Reiner Braun
Tief bewegt verfolge ich die Feierstunde der Stadt Hiroshima am 6. August 2009. An diesem schwülen heißen Morgen strömen mehr als 50.000 Menschen - jung und alt- in den Friedenspark der Stadt, um zu gedenken und zu mahnen. Ein Schauer geht mir über den Rücken, die Situation lastet zentnerschwer, die Kraniche, die Musik, bewegende Momente, die man nie vergisst
Wissenschaftlerappell: Für eine Welt ohne Atomwaffen
Wissenschaftler und Ingenieure aus aller Welt, darunter zahlreiche Nobelpreisträger, haben an die Staatsoberhäupter der Welt, und besonders an die der neun Kernwaffenstaaten appelliert, der Schaffung einer Welt ohne Atomwaffen oberste Priorität einzuräumen. In ihrem Appell heißt es:
"Wir rufen die Staatsoberhäupter dazu auf, schnellstmöglich Verhandlungen in – wie im Nichtverbreitungsvertrag und dem Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs von 1996 festgelegt – gutem Glauben aufzunehmen, um eine Nuklearwaffenkonvention für die schrittweise, überprüfbare, unumkehrbare und transparente Beseitigung sämtlicher atomarer Waffen bis 2020 herbeizuführen.
Abschließend appellieren wir an WissenschaftlerInnen und IngenieurInnen in aller Welt, jegliche Beteiligung an der Erforschung, Entwicklung, Erprobung, Produktion und Fertigung neuer Atomwaffen zu verweigern."
Die Schrecken von Hiroshima und Nagasaki dürfen sich niemals wiederholen! Deshalb appellieren wir an die Regierungen der Atommächte den Weg zur Abrüstung hin zu einer atomwaffenfreien Welt konsequent zu Ende zu gehen!
Dr. Lale Akgün, MdB (SPD), Niels Annen, MdB (SPD), Volker Beck, MdB (Bündnis 90/Die Grünen), Erika Bosch (Menschen für den Frieden Düsseldorf), Reiner Braun (IALANA), Dr. Angelika Claußen (IPPNW), Martin Dörmann, MdB (SPD), Jan Gildemeister (Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden), Gerd Greune (IFIAS, Brüssel), Christof Grosse (Pax Christi), Bettina Herlitzius, MdB (Bündnis 90 / Die Grünen), Dr. Werner Hoyer, MdB (FDP), Christel Humme, MdB (SPD), Dr. Dieter Kinkelbur (Friedensforum Münster),Walter Kolbow, MdB (SPD), Prof. Karl Lauterbach, MdB (SPD), Ulla Lötzer, MdB (Die Linke), Kerstin Müller, MdB (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Rolf Mützenich, MdB (SPD), Helmuth Prieß (Sprecher „AK Darmstädter Signals“), Mechthild Rawert, MdB (SPD), René Röspel, MdB (SPD), Jürgen Rose (Vorstandsmitglied „AK Darmstädter Signal“), Prof. Werner Ruf (Friedensforscher), Paul Schäfer, MdB (Die Linke), Otmar Steinbicker (Vorsitzender des Aachener Friedenspreis e.V.), Christoph Strässer, MdB (SPD), Andreas Weigel, MdB (SPD), Uta Zapf, MdB (SPD)
Vier deutsche Staatsmänner haben die USA und Russland zum Einstieg in die vollständige Abrüstung von Atomwaffen aufgefordert. In einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreiben Altkanzler Helmut Schmidt (SPD), der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) sowie der SPD-Außenexperte Egon Bahr, die Amerikaner sollten auch alle Atomwaffen aus Deutschland abziehen.
Am 4. Januar 2007 veröffentlichten vier prominente US-Politiker aus der Ära des Kalten Kriegs im konservativen "Wall Street Journal" einen Appell, der die Welt doch sehr aufhorchen ließ: Die vier "elder Statesmen" plädieren für eine Welt ohne Atomwaffen ("A World Free of Nuclear Weapons") und schlagen den USA vor, in diesem Bestreben eine Vorreiterrolle zu spielen. Das Quartett der einsichtig gewordenen früheren Politiker setzt sich aus keinen geringeren zusammen wie:
• George Shultz, US-Außenminister von 1982 bis 1989,
• William Perry, US-Verteidigungsminister von 1994 bis 1997,
• Henry Kissinger, US-Außenminister von 1973 bis 1977, und
• Sam Nunn, Vorsitzender des US-Senatsausschusses zur parlamentarischen Kontrolle des US-Verteidigungsministeriums ("Committee on Armed Services") von 1987 bis 1995.