66 Jahre nach dem Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki

Stoppt die Modernisierung – Atomwaffen endlich abschaffen

Es war kurz nach 8.00 am 6. August 1945. An dem strahlend blauen Himmel von Hiroshima taucht ein Flugzeug auf. Die Luftabwehr nahm es nicht zu Kenntnis.

Wenige Minuten später war eine Stadt vollständig zerstört, hunderttausende Tote, grauenvoll hingerichtete Menschen, Leidende bis heute.

Das Atomzeitalter hatte grausamst begonnen.

66 Jahre danach lagern noch immer über 20.000 Atomsprengköpfe auf unserem Planeten mit einer Zerstörungsgewalt die 900.000 Mal so groß ist wie die Hiroshima-Bombe. Das Leben, ja wahrscheinlich auch der Planet, würde bei einem Atomwaffenkrieg unwiderruflich zerstört.

Aber statt mehr als 20 Jahre nach Ende des Ost- West Konfliktes dieses Teufelszeug endlich zu beseitigen, wird bei allen offiziellen Atomwaffenstaaten und bei den „Nachzüglern“ Israel, Indien, Pakistan und Nord Korea modernisiert; neue bessere und genauere Sprengköpfe, neue Trägersysteme, Flugzeuge, U-Boote.

Allein die US Regierung gibt neben den 60 Milliarden, die die Atomrüstung jährlich kostet in den nächsten 10 Jahren weitere 80 Milliarden für die Modernisierung aus. Russland folgt und modernisiert seine Interkontinentalraketen und die Sprengköpfe. Frankreich und England, in neuer Atomallianz verbunden, modernisieren die U-Boote – Geld, das für Bildung und Soziales überall auf der Welt fehlt. Die Globalisierung mit der Entwicklung neuer Groß- und Regionalmächte bringt die Verbreitung der Atomwaffen in weiteren Ländern mit sich. Das System der „Habenden“ und der „Habenichtse“ ist global strategisch überholt.

Atomwaffengefahren auch in Deutschland

Noch immer lagern US-Atomwaffen in Deutschland, militärisch bedeutungslos aber gefährlich.

Pläne für die Modernisierung dieser US-Atomwaffen in Büchel liegen im Pentagon bereit und sollen die alten Atomwaffen ab 2017 ersetzen. Nicht der Abzug dieser Relikte des kalten Krieges ist geplant. Die neue NATO Atomwaffenstrategie soll die Modernisierung ermöglichen – dies musste die Bundesregierung jüngst erst wieder zugeben. Ihre Pläne den Abzug über NATO Gespräche zu erreichen (wenn sie denn ernst waren) sind gescheitert.

Wir fordern den umgehenden Abzug dieser Atomwaffen als ersten Schritt hin zu einem atomwaffenfreien Europa. Notwendig dafür ist die Kündigung des Stationierungsabkommens zwischen der Bundesregierung und der US-Regierung.

US-Präsident Obamas Reden von Prag und Kairo haben uns dem Ziel atomarer Abrüstung nur atmosphärisch und psychologisch näher gebracht. Auf der politischen Tagesordnung steht Aufrüstung und nicht die Beseitigung der Atomwaffen – trotz vieler schöner papierener Erklärungen, trotz neuer Mitstreiter für eine Welt ohne Atomwaffen.

Wer ernsthaft den atomaren Abrüstungsprozess voranbringen will, muss als erstes auf jede Modernisierung verzichten.

Der Verzicht auf die Modernisierung zeigt die Ernsthaftigkeit, aus dem atomaren Wettrüsten auszusteigen. Er kann den Weg zu einem umfassenden Abrüstungsprozess öffnen.

Wir fordern: den sofortigen Beginn von Verhandlungen für eine Nuklearwaffenkonvention durch einen Beschuss der UN Generalversammlung im Herbst 2011 sowie die Begleitung des Verhandlungsprozesses durch reale Abrüstungsvereinbarungen der USA und Russlands aber auch der anderen Atomwaffenmächte. Einseitige Schritte sind dabei unverzichtbar, um eine Dynamik in den Abrüstungsprozess zu bringen.

Nur die Abschaffung aller Atomwaffen, nur eine Nuklearwaffenkonvention kann die Gefahr der Proliferation und überhaupt die atomare Vernichtungsgefahr bannen.

Hiroshima und Nagasaki mahnen nie nachzulassen im Ringen um die Abschaffung aller Atomwaffen und immer wieder an deren Gefahren zu erinnern – für uns, unsere Kinder und Enkel sowie den blauen Planeten Erde.

Für NatWiss,

Reiner Braun (Vorstandsmitglied)

Lucas Wirl (Geschäftsführer)


World Wide Web aixpaix.de

Krieg ist die
"ultima irratio"

Das Afghanistan-Desaster der NATO zeigt ebenso wie andere Militäraktionen, dass Kriege heute kaum noch gewinnbar sind. Zu glauben, man könne damit Probleme lösen, erweist sich immer häufiger als tödliche Illusion.

Zivile Konfliktbearbeitung dagegen kann Bürgerkriege beenden. Der Aachener Karlspreisträger Andrea Riccardi hat das in Moçambique eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Krieg hat aufgehört, "ultima ratio" zu sein, Krieg wird immer deutlicher zur "ultima irratio".

So ist es ein wenig still geworden um die vor wenigen Jahren noch hochgepriesenen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ihre Perspektive steckt in der Sackgasse Afghanistan. Längst sind die Generale kleinlaut geworden, geben offen zu, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind, dass Militär keinen Frieden schaffen kann. Allenfalls Zeit gewinnen, damit Politik Frieden schaffen kann, lautet jetzt ihre Devise.

Die offenkundige Krise militärischer Möglichkeiten stärkt die Chancen für eine neue Sicherheitsdebatte, mit dem Ziel, ernsthaft den Krieg zu ächten. Der Schlüssel liegt in der von einem der Obama-Vorgänger, Woodrow Wilson, während des Ersten Weltkrieges entwickelten Konzeption der kollektiven Sicherheit. Dabei geht es darum, nicht die Sicherheit einzelner Staaten auf Kosten anderer Staaten, sondern die Sicherheit aller Staaten gemeinsam zu gewährleisten. Der Krieg muss als gemeinsame Gefahr für alle aufgefasst werden, der die Interessen der gesamten Gemeinschaft berührt". Sicherheit wird damit als unteilbar betrachtet.

Otmar Steinbicker