Uri Avnery

Israel wird nicht angreifen

11. März 2012

Uri Avnery

Israel wird den Iran nicht angreifen. Punkt.

Die Vereinigten Staaten werden den Iran nicht angreifen. Punkt.

Die US werden nicht angreifen. Nicht in diesem Jahr und nicht in den kommenden Jahren. Aus einem Grund, der bedeutender ist als wahltaktische Gründe oder militärische Beschränkungen. Die US werden nicht angreifen, weil ein Angriff ein nationales Desaster für sie selbst und ein radikales Desaster für die ganze Welt bedeuten würde.

„Wenn du die Politik eines Landes verstehen willst, wirf einen Blick auf die Landkarte,“ sagte Napoleon. Minuten nach einem Angriff wird der Iran die Straße von Hormus sperren, durch die fast alles exportierte Öl in der Welt aus Saudi Arabien, den Vereinigten arabischen Emiraten, Kuweit, Qatar, Bahrain, Irak und Iran gefahren werden muss – 40% des auf dem Seeweg transportierte Öl passiert diese Meerenge. Ein paar Minuten später werden alle Ölpreise steigen, sich verdoppeln, verdreifachen, vervierfachen – und die USA und die globale Wirtschaft wird zusammenbrechen.

Solch kleine Probleme belasten die Gehirne von Generälen, militärischen Kommentatoren und anderen weisen Leuten nicht, die die Welt nur zwischen Sicherheits-Scheuklappen wahrnehmen.

Die Meerenge zu schließen, wäre die leichteste von militärischen Operationen. Ein paar Raketen, die entweder vom Meer oder von der Küste abgefeuert werden, würden genügen. Um sie zu öffnen, würde es nicht genügen, die mächtigen US-Flugzeugträger auf Kreuzfahrt zu schicken. Die US müssten große Teile des Iran besetzen, um die Meerenge aus der Reichweite iranischer Raketen zu nehmen. Der Iran ist größer als Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien zusammen. Es würde ein langer Krieg werden, etwa wie der Vietnamkrieg.

Für den Iran gibt es keinen Unterschied zwischen einem israelischen und einem amerikanischen Angriff. Sie würden gleich behandelt. In beiden Fällen wären die Folgen, die Absperrung der Meerenge und ein langer Krieg.

All dies ist für die USA mehr als genug, um nicht anzugreifen und Israel zu verbieten anzugreifen.

Es sind 56 Jahre her, seit Israel ohne Einverständnis der Amerikaner einen Krieg begann. Als Israel dies 1956 tat, nahm Präsident Eisenhower alle Errungenschaften des Sieges bis zum letzten Millimeter. Vor dem Sechs-Tage-Krieg und am Vorabend des 1. Libanonkrieges sandte Israel Sonderbotschafter nach Washington, um ein eindeutiges Einverständnis zu erhalten. Falls es diesmal gegen den Willen der Amerikaner angreift, wer wird das Arsenal der IDF wieder aufstocken? Wer würde die Städte Israels schützen, die vielen Zehntausenden von Raketen aus dem Iran und seinen Anhängern ausgesetzt sind, geschweige denn der Welle von Antisemitismus, die erwartet werden kann, wenn die amerikanische Öffentlichkeit erst einmal herausgefunden hat, dass es Israel war und Israel allein, das ihnen eine nationale Katastrophe eingebracht hat.

Amerikanischer diplomatischer und wirtschaftlicher Druck könnte ausreichen, den Run der Ayatollas auf die Bombe zu stoppen. Er half im Libyen Gadaffis und geschieht jetzt in Kims Nordkorea. Die Perser sind eine Nation von Händlern, und es könnte möglich sein, einen Deal auszuhandeln, der sich für sie lohnen würde.

Dies ist zweifelhaft, weil die Neo-Konservativen in Washington vor ein paar Jahren leichtfertig darüber redeten, wie leicht es sein würde, den Iran zu besetzen – was die Iraner sicherlich davon überzeugte, dass sie die beste Abschreckungswaffe benötigen. Was hätten wir an ihrer Stelle getan? Oder eher, was hatten wir tatsächlich getan ( nach ausländischen Berichten etc.), als wir in ihrer Position waren?

Also was wird geschehen? Wenn kein Deal erreicht wird, wird der Iran nukleare Waffen entwickeln. Das ist nicht das Ende der Welt. Wie von einigen unserer mutigeren Sicherheitschefs angedeutet wurde, ist dies keine existentielle Bedrohung. Wir werden in einer Situation eines Terrorgleichgewichts leben. Wie Amerika und Russland während des kalten Krieges. Wie Indien und Pakistan jetzt. Das ist nicht angenehm, aber auch nicht zu schrecklich.

Der Iran hat seit tausend Jahren kein anderes Land angegriffen. Ahmadinejad redet wie ein wilder Demagoge, aber die iranische Führung handelt tatsächlich sehr vorsichtig. Israel bedroht keine iranischen Interessen. Gemeinsamer nationaler Selbstmord ist keine Option.

Der Bildungsminister Gideon Sa’ar prahlte, mit Recht, dass es Netanjahu gelungen sei, die Aufmerksamkeit der ganzen Welt von den Palästinensern weg- und auf das iranische Problem hinzulenken. Tatsächlich ein fantastischer Erfolg. Obama sagt ihm in Wirklichkeit: OK geh und spiel’ mit den Siedlungen, so viel du magst, aber, bitte, lass den Iran den Erwachsenen.

(Aus dem Englischen: Ellen Rohlfs, vom Verfasser autorisiert)

Uri Avnery ist Autor des Aachener Friedensmagazins aixpaix.de. Seine Beiträge sehen Sie hier


World Wide Web aixpaix.de


RSS-Feed abonieren

Beiträge von Uri Avnery

Der Esel des Messias

No, We Can’t!

Die Russen sind da

Zum Lob des Gefühls

Um uns rast der Sturm …

Sich in die Lage des anderen versetzen

Idiokratie

Die Rede, die nicht gehalten wurde

Dem Sieger [gehört] die Beute

Ich bin ein Bil’iner!

Die Dritte Intifada?

Frieden und Wassermelonen

Die Zuabis

Können etwa zwei miteinander wandern?

Wehe dem Sieger

Ein Ruck zur Mitte

Wen soll ich wählen?

Willkommen, Chuck!

Bizarre Wahlen

Einer, der Niemand heißt

Das Meer und der Fluss

Kalte Rache

Das Starke und das Süße

Ein für alle Mal!

Noch ein überflüssiger Krieg

Abschied von einem Krieg

Das System

Dürre in Texas

Der Mann mit der Uzi

Das schwarze Loch füllen

Von Bomben und Comics

Die große Unterlassung

Eine Botschaft Romneyahus

Protest in Ramallah

Die Torheit der Regierenden

Meister im Schadenanrichten

Der ewige Quell

Blöd oder verrückt?

Blutiger Frühling

Die größte Schau der Welt

Zionismus reden

Divide et impera: Teile und herrsche!

Zwei Gesichter

Die Vergiftung Arafats

Daphni macht wieder Schwierigkeiten

Unsere muslimischen Brüder

Menschenjagd

Der Lügenkrieg

Israelischer Senf

Der neue Protest

Operette in 5 Akten

Ein Putsch gegen den Krieg

Bekenntnis eines Optimisten

Dumm und gemein und brutal

Günter der Schreckliche

Gieße aus Deinen Zorn!

Der neue Mandela

Das Ghetto im Inneren

Im Süden nichts Neues

Israel wird nicht angreifen

Eine jüdische Seele

Das lachende Biest

Adnans Sieg

Du sollst nicht töten ( auch nicht Dich selbst)

Sturm über Hebron

Der widerwillige Prophet

Hurra für Ägypten!

Die Blockbrecher

Leuchtende Fackel

Der gestohlene Krieg

Danke, Israel!

Der Herzog von Nablus

Mit Freunden wie diesen …

Die Panikmacher

Des Königs Rede

Ein Tag im November

Weimar wiederholt sich

DU hast die Nase voll?

Haltet mich zurück!

Ein Blick aus der Villa

Jedermanns Sohn

Der zweite Herzl

Viel Feind, viel Ehr

Wir, die Verräter

Meuterei auf der Titanic

Abu Mazens Glücksspiel

Traurig und glücklich

Daphne und Itzik

Kriegshunde

Zu den Küsten von Tripolis

Die Rückkehr der Generäle

Dichters Gesetz

Wie fein sind Deine Zelte

Der neue Anti-Semitismus

Die Attacke der New York Times

Es kann hier geschehen

Bibi und die Jojos

Der Gummimann

Freue dich nicht…. (zum Tod von Osama bin Laden)

Ein Wort

Der Siedlerstaat

Das Gold und der Stein

Ein schmutziges Wort

Die Zwerge

Die falsche Seite

Der irre Prophet

Der Geist ist aus der Flasche

Tsunami in Ägypten

Eine Villa im Dschungel