02.05.2011
Die Reaktionen auf den während eines US Kommandoeinsatzes in Pakistan getöteten Osama bin Laden sind unterschiedlich. Sie reichen von Erleichterung bis zu Euphorie. Repräsentanten demokratischer Staaten gratulierten dem US – Präsidenten zur Tötung Osama bin Ladens.
Doch ist dies ein durchschlagender Sieg? Eher nicht.
Das Terrornetzwerk Al Qaida (deutsch „die Basis“) verfügt über keine hierarchischen Kommandostrukturen. Es ist ein loses weltweit operierendes Terrornetzwerk. Bin Laden war sicher nicht die Autorität, bei der alle Stränge zusammen liefen. Deshalb fällt sein Tod auch nicht wesentlich ins Gewicht. Er wird ersetzt durch einen mindestens genau so radikal denkenden und handelnden Islamisten. Allerdings Rache ruft diese Exekution schon auf die Tagesordnung.
Osama bin Laden war eher das „Gesicht“ des Terrornetzwerkes. Und er war das personifizierte Feindbild, das die Amerikaner schufen, um den Krieg in Afghanistan zu rechtfertigen. Dieser Eroberungskrieg hatte in den letzten Jahren wenig mit der Bekämpfung des Netzwerkes Al Qaida zu tun.
Sicher wäre es ein echter Erfolg des Zugriffes gewesen, wenn Osama lebend gefangen genommen und vor ein Gericht gestellt worden wäre. Aber das war entweder nicht möglich oder nicht gewollt.
Die Exekution Osama bin Ladens jetzt zum Anlass zu nehmen, den sofortigen Abzug der westlichen Truppen aus Afghanistan zu fordern ist nicht schlüssig. Das könnte den Schluss zulassen, die über 130.000 Soldaten seien zur Ausschaltung alleine eines Terroristen nebst seiner Sicherheitsumgebung erforderlich gewesen. Der Abzug der Truppen, deren Hauptaufgabe die Niederschlagung eines Aufstandes der Afghanen gegen die durch den Westen installierte Regierung ist, hätte längst erfolgen müssen. Dies hätte viele unschuldige Opfer und viel Leid erspart. Das Netzwerk Al Qaida ist schon seit Jahren kaum noch in Afghanistan aktiv, sondern hat seine Aktivitäten auf andere Regionen dieser Welt verlegt.
Was nun unter dem Strich bleibt, ist die Weiterführung des profitablen Krieges in Afghanistan und die fieberhaften Verhandlungen der USA um die langfristige Stationierung von US – Truppen in Stützpunkten in Afghanistan.
Jürgen Heiducoff ist Autor des Aachener Friedensmagazins www.aixpaix.de. Seine Beiträge finden Sie hier
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