Es ist unbestritten – Afghanistan braucht Hilfe. Und es gibt genügend Angebote von meist nicht uneigennütziger Hilfe. Doch die Afghanen haben gelernt, zu differenzieren.
Die NATO bietet militärische und militär-technische Hilfe an. Die afghanischen Sicherheitskräfte werden aufgerüstet, ausgebildet und bewaffnet. Der Kommandeur der NATO – Trainingsmission in Afghanistan (NTM-A), der amerikanische Generalleutnant Caldwell teilte gestern auf einer Pressekonferenz in Kabul mit, dass den afghanischen Sicherheitskräften 145 Militärflugzeuge und 21 Hubschrauber zur Verfügung gestellt werden. Das fliegende Personal sei schon in der Ausbildung in den USA. (www.pajhwok.com)
Ist dies die Hilfe, die das afghanische Volk wirklich braucht?
Die Aufrüstung eines Landes, das von einem Bürgerkrieg bedroht ist mit Militärflugzeugen, Hubschraubern, gepanzerten Kampffahrzeugen, Artilleriesystemen, Waffen und Munition – ist dies wirksame Hilfe?
Den Gedanken, dass afghanischen Sicherheitskräften gelingen soll, woran die hochgerüstete NATO – geführte Truppe ISAF gescheitert ist, nämlich Sicherheit und Stabilität in diesem Land zu schaffen, kann ich nicht nachvollziehen.
Gegen wen sollen Militärflugzeuge und Hubschrauber zum Einsatz kommen?
Es ist meine tiefe Überzeugung: Nachhaltige Veränderung einer Gesellschaft kann nicht durch Gewalt erfolgen. Dies schließt sowohl den Krieg und das Militär als auch Revolution, Revolte, Aufstand und gewaltbereite Menschen ein. Gewalt erzeugt allenfalls Angst und Hass. Dies sind aber keine geeigneten konstruktiven Mittel zur Veränderung und Verbesserung einer Gesellschaft.
Vielmehr vermochten intellektuelle, philosophische Beiträge langfristig eine Gesellschaft zu prägen. Ich erinnere an die Aufklärung im Europa des 18. Jahrhunderts oder an Konfuzius im alten China. Dazu bedarf es eines inneren Reifeprozesses. Da kann von außen kein Einfluss genommen werden.
Die Afghanen brauchen Hilfe ohne Bedingungen und ohne Bevormundung. Sie brauchen keine Assistenz zur Gewalt. Sie brauchen den Aufbau eigener Produktionskapazitäten und der dazu gehörigen Infrastruktur. Dies erfordert gewaltige Investitionen. China beginnt unweit von Kabul mit dem Aufbau einer großen Kupfermine. Und dies ohne militärische Präsenz.
Das ist es, was die Afghanen auch vom Westen erwarten.
Dies würde ihnen wieder Hoffnung und Zuversicht, statt Angst und Furcht vor der Zukunft bringen.
Jürgen Heiducoff ist Autor des Aachener Friedensmagazins www.aixpaix.de. Seine Beiträge finden Sie hier
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