Jürgen Heiducoff

Dem Volk der Wähler und Zahler steht nun die Trendwende in Afghanistan bevor

Jürgen Heiducoff betrachtet hier aktuelle Ereignisse aus seiner persönlichen Sicht

25-07-2010

Am 20. Juli sind während der Afghanistan-Konferenz in Kabul durch Vertreter der afghanischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft wichtige Beschlüsse gefasst worden. So soll bis 2014 die Verantwortung für die Sicherheit im Land an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben werden.

Einflussreiche Politiker und Militärs warnten jedoch, einen konkreten Abzugstermin der internationalen Truppen zu nennen. Man müsse die Abzugsfrist von den konkreten Bedingungen und der Lage abhängig machen.

Da steckt ein gehöriges Stück Pessimismus dahinter. Dieser Pessimismus liegt auch der Verweigerung der Unterstützung des militärischen Engagements in Afghanistan durch die meisten Deutschen zugrunde.

Doch es gibt einen Umschwung und eine Trendwende in Afghanistan! Noch in diesem Jahr!

Der deutsche Generalleutnant Bruno Kasdorf – Chef des Stabes ISAF - sagte am vergangenen Freitag in einem Interview des ARD Hörfunkstudios Südasien: „Ich bin zuversichtlich, dass es diese Trendwende gibt und ich denke, dass wir das auch schon in diesem Jahr sehen werden, dass es dazu kommt“.

Dass im Juni mehr ISAF-Soldaten als in jedem anderen Monat seit Vertreibung der Taliban 2001 gestorben seien, lasse sich damit erklären, dass die Truppenstärke erheblich zugenommen habe.„Bevor es besser wird, scheint es erst mal schlechter zu werden“, sagte der Generalleutnant. Die USA seien dabei, ihre Truppen im Norden deutlich aufzustocken. Letztlich werde auch dort das Gewaltmonopol der afghanischen Regierung wiederhergestellt.

Hinsichtlich des Aussteiger-Programms für Taliban-Kämpfer, sagte Kasdorf, dass die Aussicht groß sei, diese zu reintegrieren und dazu zu bewegen, ihre Waffen niederzulegen, wenn man ihnen eine Perspektive bieten könne. Diesbezüglich gebe es genügend Anzeichen.

Nun ist Generalleutnant Kasdorf einer der NATO - Generale, die bisher am längsten in Afghanistan waren. Er war bereits 2007/08 Chef des Stabes ISAF. Er unterrichtete oft Bundestagsabgeordnete über die Lage in Afghanistan. Er ist einer der erfahrensten Afghanistan-Kenner unter den westlichen Militärs. Er kennt die konkrete militärische, Sicherheits- und Gesamtlage in dem Land am Hindukusch besser als jeder andere.

Auf sein Urteil sollte man also hören. Seine Bewertung sollten auch die ewig Zweifelnden und Nörgelnden zum Anlass nehmen, eine optimistische Grundhaltung zu entwickeln.

Also weg mit dem Pessimismus!

Könnte man nun vielleicht doch schon eine konkrete Monatszahl bis zum Abschluss des Abzuges der ISAF – Truppen nennen?

Die Agentur ddp hat den General als ISAF – Chef verkauft. War das Absicht?

Zumindest zeigt auch dies, mit wie viel Achtung Journalisten dem General gegenüber treten.

Jürgen Heiducoff ist Autor des Aachener Friedensmagazins www.aixpaix.de. Seine Beiträge finden Sie hier


World Wide Web aixpaix.de


Krieg ist die
"ultima irratio"

Das Afghanistan-Desaster der NATO zeigt ebenso wie andere Militäraktionen, dass Kriege heute kaum noch gewinnbar sind. Zu glauben, man könne damit Probleme lösen, erweist sich immer häufiger als tödliche Illusion.

Zivile Konfliktbearbeitung dagegen kann Bürgerkriege beenden. Der Aachener Karlspreisträger Andrea Riccardi hat das in Moçambique eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Krieg hat aufgehört, "ultima ratio" zu sein, Krieg wird immer deutlicher zur "ultima irratio".

So ist es ein wenig still geworden um die vor wenigen Jahren noch hochgepriesenen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ihre Perspektive steckt in der Sackgasse Afghanistan. Längst sind die Generale kleinlaut geworden, geben offen zu, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind, dass Militär keinen Frieden schaffen kann. Allenfalls Zeit gewinnen, damit Politik Frieden schaffen kann, lautet jetzt ihre Devise.

Die offenkundige Krise militärischer Möglichkeiten stärkt die Chancen für eine neue Sicherheitsdebatte, mit dem Ziel, ernsthaft den Krieg zu ächten. Der Schlüssel liegt in der von einem der Obama-Vorgänger, Woodrow Wilson, während des Ersten Weltkrieges entwickelten Konzeption der kollektiven Sicherheit. Dabei geht es darum, nicht die Sicherheit einzelner Staaten auf Kosten anderer Staaten, sondern die Sicherheit aller Staaten gemeinsam zu gewährleisten. Der Krieg muss als gemeinsame Gefahr für alle aufgefasst werden, der die Interessen der gesamten Gemeinschaft berührt". Sicherheit wird damit als unteilbar betrachtet.

Otmar Steinbicker