Zur Zeit finden sich viele Ratgeber, die meinen, zu wissen, wie man eine Wiederholung der Tragödie vom Karfreitag bei Kunduz künftig verhindern kann.
Da wird eine bessere Ausbildung und Ausrüstung für unsere Soldaten gefordert.
Da wird der Einsatz von Kampfhubschraubern in Erwägung gezogen.
Da werden neue Aufklärungs- und Führungssysteme empfohlen.
Da wird eine weitere Verstärkung der Kampftruppen verlangt.
Doch all diese Forderungen gehen an den Tatsachen vorbei, dass fremde Truppen noch nie in der Geschichte für längere Zeit Afghanistan halten konnten. Und all diese Empfehlungen verkennen die Realität, dass sich in diesem asymmetrischen Krieg völlig unterschiedliche, nicht vergleichbare Kämpfer gegenüber stehen. Der Kämpfer, der Mensch entscheidet letztlich immer den Ausgang von Kämpfen.
Die einen kommen kontingentweise für einen überschaubaren Zeitraum in eine ihnen völlig fremde Kultur.
Die anderen sind in die entstandene Lage hinein gewachsen, kennen die Region bestens und wollen auch immer dort verbleiben. Es ist ihre Heimat.
Die einen folgen einem mehr oder weniger abstrakten politischen Mandat, einem militärischen Auftrag oder persönlichen Motiven.
Die anderen führen einen Kampf um ihre Großfamilie, um ihr Dorf und um ihre Existenz. Ein Zurückweichen würde für sie die Selbstaufkündigung bedeuten. Es geht ihnen um Ehre und Vergeltung. Viele empfinden Hass und wollen Rache ausüben.
All dem haben wir nichts Vergleichbares entgegen zu setzen.
Deshalb sind wir in der Defensive !
Und deshalb ist das Problem in Afghanistan mit militärischen Mitteln nicht zu lösen.
Es helfen nur Verhandlungen – einen anderen Ausweg gibt es nicht.
Unsere Politiker, Diplomaten und Spitzenmilitärs sind in der Pflicht, Verhandlungen zu beginnen.
Jürgen Heiducoff ist Autor des Aachener Friedensmagazins www.aixpaix.de. Seine Beiträge finden Sie hier
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