Jürgen Heiducoff

Verwirrung um den Truppenabzug aus Afghanistan

12.12.2011

Erst vor wenigen Wochen, am 09.11.2011, hat sich aixpaix mit der Seriosität des Abzugswillens der USA aus Afghanistan auseinandergesetzt und die Frage gestellt: Wie konsequent wollen die USA ihre Truppen aus Afghanistan abziehen?

Auf dem NATO Gipfel in Lissabon wurde im vorigen Jahr die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen im Jahr 2014 beschlossen. Dies sollte die Voraussetzung für den Abzug der westlichen Truppen sein.

Im Juni 2011 erklärte der US-Präsident, dass der Abzug der Amerikanischen Truppen im nächsten Monat beginnen würde und kündigte den Wechsel von einer Kampf- zu einer Unterstützungsmission an.

Die Regierungen der anderen ISAF-Truppenstellerstaaten passten ihre Abzugsankündigungen an die amerikanischen Vorgaben an.

Dann begannen Verhandlungen mit der afghanischen Regierung, um einige US-Militärbasen auch nach 2014 für (zunächst) weitere 10 Jahre betreiben zu dürfen.

Caitlin Hayden, eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates sagte, dass der Präsident Entscheidungen über die Größe und Form unserer Präsenz nach 2014 zur entsprechenden Zeit auf der Grundlage unserer Interessen und in Konsultation mit unseren afghanischen und NATO-Partnern treffen werde. 1)

Und schließlich sagte der US Botschafter in Afghanistan, Ryan C. Crocker, am 10.12.11 einer kleinen Gruppe von Journalisten, dass US-Kampftruppen auch nach 2014 in Afghanistan bleiben könnten. 2)

Die afghanische Regierung wünsche dies. Der Abzug könne sich verzögern.

Dies zeigt, dass die politischen Vorgaben des US Präsidenten sehr flexibel gehandhabt werden. Erst wurde vom Abzug der Truppen bis 2014 gesprochen, dann sollten Ausbilder und Logistiker bleiben. Dazu sollten die USA Militärstützpunkte weitere zehn Jahre betreiben und nun wird auch der Verbleib von US-Kampftruppen offen in Erwägung gezogen.

Die „New York Times“ vom 10.12.2011 schreibt: „Aber Mr. Crocker`s Kommentare waren eine explizite Bestätigung, dass die Truppen nach 2014 auch Kampftruppen umfassen könnten, nicht nur Ausbilder und Berater, wie zuvor öffentlich bemerkt wurde.“

Der Sprecher des afghanischen Außenministeriums Musazai verkündete am 08.12.11 in Brüssel, dass die Botschaft des NATO-Außenministertreffens laut und klar sei:

„Der NATO – Einsatz in Afghanistan wird nach dem geplanten Abzug der internationalen Truppen im Jahre 2014 fortgesetzt.“ 3)

Wenn der NATO-Einsatz nach 2014 nicht beendet sein wird und das Bündnis zumindest Führungsexpertise und Führungsstellen im Land behalten will, stellt sich die Frage, welche Kräfte durch diese geführt werden sollen.

Damit sind gegenüber der ursprünglichen Ankündigung des Truppenabzuges eine Vielzahl von Optionen im Gespräch, die die Konsequenz des Abzugswillens insgesamt in einem sehr fraglichen Licht erscheinen lassen.

1) und 2) „New York Times“, 10.12.2011, Reportage von Rod Nordland

3) Pajhwok News 08.12.2011

Jürgen Heiducoff ist Autor des Aachener Friedensmagazins www.aixpaix.de. Seine Beiträge finden Sie hier


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