Dass der bisherige Friedenspreis-Vorsitzende nach nur zweijähriger Amtszeit zurücktrat, war überfällig. Duldung von Antisemitismus hat in der Friedensbewegung keinen Platz. Da wäre eine saubere Lösung spätestens im Juli fällig gewesen, als dieses Thema die Aachener Medien bewegte, nicht erst ein Rücktritt nach einer Vorstandswahl, die ihm nicht passte.
Dass es jetzt Flügelkämpfe gibt zwischen vermeintlich Linken
und vermeintlich Bürgerlichen
ist befremdlich! Die Friedensbewegung hat in ihrer Geschichte sowohl linke als auch bürgerliche und nicht zu vergessen, christliche und pazifistische Wurzeln, die sich nicht so einfach in ein Links-Rechts-Schema einordnen lassen. Wenn Friedensbewegung erfolgreich sein will, dann braucht sie die konstruktive Zusammenarbeit aller! Dass es dabei unterschiedliche Antworten auf friedenspolitische Fragen gibt, ist selbstverständlich. Darüber muss diskutiert werden, darüber kann gestritten werden. Wichtig ist der Konsens und da können auch mal unterschiedliche Antworten nebeneinander stehen bleiben. Das schadet der Friedensbewegung nicht. Aber das setzt auch voraus, dass man sich ernsthaft mit friedenspolitischen Themen auseinandersetzt, Probleme durchdenkt und nicht nur leichtfertig Parolen nachplappert.
Aber geht es den Streithähnen und -hennen im Verein um eine erfolgreiche Friedensbewegung? Da bleiben derzeit alle Fragen offen. Eine erste Presseerklärung des neuen Vorstandes rückte Personalien in den Vordergrund und in Äußerungen gegenüber der Presse stritten sich die Befragten aller Lager um die Einordnung der Neugewählten ins parteipolitische Koordinatensystem. Das hat mit Friedensbewegung nichts zu tun!
Ob überhaupt Parteipolitiker in der Friedensbewegung mitarbeiten dürfen, ist bundesweit umstritten. In Aachen ist es Tradition. Das liegt aber sicher auch an Parteipolitikern wie dem alten Kommunisten Hein Kolberg, der (zeitweise sogar mal als stellvertretender Vorsitzender des Vereins) seine Meinung deutlich einbrachte, aber zugleich den notwendigen Respekt vor anderen Meinungen lebte und lebt!
Wer einen Konsens unter Einschluss verschiedener Flügel und gegebenenfalls auch politischer Parteien will, der muss auch die Führungsperson (oder -personen) aufweisen, die die Flügel zusammenbindet und den Konsens repräsentiert. Ein Friedenspreis als Schlachtfeld
ideologischer Flügelkämpfe wird nicht gebraucht!
Jetzt ist der neu gewählte Vorstand gefordert, inhaltlich Farbe zu bekennen! Wie will er es mit der Friedensbewegung halten, wie will er die Pluralität sichern? Bis zu seiner konstituierenden Sitzung am 7. Dezember hat er Schonfrist, danach ist Klarheit gefragt.
Der Friedenspreis hat gute Traditionen an die sich anknüpfen lässt. Ob er dazu die Kraft aufbringt oder weiter in den Abgrund steuert, das wird sich in den nächsten Tagen zeigen müssen.
Otmar Steinbicker ist Herausgeber des Aachener Friedensmagazins www.aixpaix.de. Seine Beiträge finden Sie hier
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