Otmar Steinbicker

Der Tod der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan hätte verhindert werden können

15.04.2010

Der tragische Tod von vier Bundeswehrsoldaten am Donnerstag, dem 15. April, und drei weiteren am Karfreitag in Afghanistan bei Kunduz hätte verhindert werden können.

Seit etwa einem Jahr gab es verschiedene Bemühungen der Kooperation für den Frieden und der Nationalen Friedens-Jirga Afghanistans für einen Waffenstillstand in der Region Kunduz. So gab es positive Resonanzen auf eine gemeinsame Erklärung der Kooperation für den Frieden und der Friedens-Jirga vom 31. Juli 2009 für einen regionalen Waffenstillstand für die Provinz Kunduz.

Nach dem Bombardement vom 4. September 2009 auf die von Taliban entführten Tanklastzüge bei Kunduz gelang es der Friedens-Jirga die Talibankommandeure zu motivieren, auf einen Racheakt zu verzichten und stattdessen mit einer relativen Waffenruhe für Waffenstillstandsverhandlungen zu werben.

Als Antwort hatten in der Woche vom 2. bis 8. November 2009 US-Elitetruppen zusammen mit afghanischen Soldaten in der unter deutschem Kommando im Raum Kunduz eine Großoffensive gegen Taliban geführt und 133 Aufständische, darunter den Taliban-Führer Mullah Qari Baschir, getötet. Mit ihm starb der Kommandant, der über Monate für die vorgeschlagene Waffenstillstandslösung eintrat. Ähnliche Kommandoaktionen wurden in der Folgezeit fortgesetzt. Die Bundeswehr hatte eine Beteiligung an diesen Operationen abgelehnt.

Am 19. Januar 2010 forderte der Präsident der deutschen pax christi Sektion, der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen die Unterstützung der Bemühungen um regionale Waffenstillstandsvereinbarungen, insbesondere in der Provinz Kunduz.

Inzwischen hat die US-Armee mit der Stationierung von 5000 zusätzlichen eigenen Soldaten im Raum Kunduz begonnen.

Nach einem Bericht in Spiegel-online vom 11.04.2010 steht im Raum Kunduz möglicherweise eine Großoffensive ähnlich wie vor einigen Wochen in Mardscha in Südafghanistan. Die Bundeswehr, die dort offiziell das Sagen hat, wird im Zweifelsfall nicht mehr gefragt. So heißt es in dem Bericht in Spiegel-online;

In den vergangenen Wochen beobachteten die Deutschen fast jede Nacht Zugriffe von US-Spezialeinheiten im unmittelbaren Umfeld des Camps. Zwar wird die Bundeswehr über die Einsätze der nicht gerade zimperlichen Elite-Krieger in der letzten Zeit meist informiert. Wen diese aber festnehmen oder töten und was die Gesamtstrategie der USA in Kunduz ist, das erfahren die Deutschen nicht. "Die USA nehmen uns das Heft des Handelns aus der Hand, sagt ein hoher Offizier.

Die Kooperation für den Frieden und die Nationale Friedens-Jirga Afghanistans werden sich weiterhin auf allen ihnen möglichen Ebenen für eine Waffenstillstandslösung für die Provinz Kunduz und darüber hinaus für ganz Afghanistan einsetzen. Es wird höchste Zeit, endlich die dafür erforderlichen Gespräche und Verhandlungen für eine Friedenslösung und den Abzug der Bundeswehr zu beginnen, bevor weitere Bundeswehrsoldaten sterben müssen.

Otmar Steinbicker ist Herausgeber des Aachener Friedensmagazins www.aixpaix.de. Seine Beiträge finden Sie hier


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