Otmar Steinbicker

Auf dem Weg in den nächsten Krieg?

08.03.2011

Als am Montag US-Verteidigungsminister Gates in Kabul mit US-General Petraeus zusammentraf, hatten beide wohl übersehen, dass ein Mikrofon des Fernsehsenders NBC eingeschaltet war. Wie in einem Internet-Blog der „New York Times“ zu lesen ist, begrüßte Petraeus Gates mit den Worten: “You going to launch some attacks on Libya or something?’’ Gates antwortete: “Yeah, exactly.“

Wie die "New York Times" an anderer Stelle berichtet, sei eine Option der möglichen militärischen Optionen, Sondereinsatztruppen in Libyen einzuschleusen, um die Aufständischen zu unterstützen. Diese speziell ausgebildeten Einheiten könnten die Kampfkraft der Rebellen praktisch über Nacht verbessern, schrieb die Zeitung. Diese Taktik sei auch in Afghanistan zum Sturz der Taliban 2001 eingesetzt worden.

Hoppla! Das Beispiel ist verräterisch!

Richtig ist, dass im Oktober 2001 die Taliban mit massiven Luftangriffen der US-Luftwaffe, mit den Truppen der Nordallianz am Boden und auch mit US-Sondereinsatztruppen sehr schnell vertrieben wurden.

Richtig ist aber auch: Seitdem befinden wir uns im zehnten Kriegsjahr! Die Taliban sind längst zurück und eine Friedenslösung für Afghanistan wird es ohne sie nicht mehr geben.

Es bleibt die Erkenntnis: Der Weg in einen Krieg ist sehr kurz! Der Weg wieder hinaus kann lange dauern.

Auch eine Mandatierung von NATO-Truppen durch den UNO-Sicherheitsrat schützt davor nicht. Die Entwicklung der von der UNO mandatierten ISAF von einer ursprünglichen Schutztruppe für die neue Regierung in Afghanistan zur Krieg führenden Konfliktpartei ist ein abschreckendes Beispiel.

Otmar Steinbicker ist Herausgeber des Aachener Friedensmagazins www.aixpaix.de. Seine Beiträge finden Sie hier


World Wide Web aixpaix.de

Krieg ist die
"ultima irratio"

Das Afghanistan-Desaster der NATO zeigt ebenso wie andere Militäraktionen, dass Kriege heute kaum noch gewinnbar sind. Zu glauben, man könne damit Probleme lösen, erweist sich immer häufiger als tödliche Illusion.

Zivile Konfliktbearbeitung dagegen kann Bürgerkriege beenden. Der Aachener Karlspreisträger Andrea Riccardi hat das in Moçambique eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Krieg hat aufgehört, "ultima ratio" zu sein, Krieg wird immer deutlicher zur "ultima irratio".

So ist es ein wenig still geworden um die vor wenigen Jahren noch hochgepriesenen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ihre Perspektive steckt in der Sackgasse Afghanistan. Längst sind die Generale kleinlaut geworden, geben offen zu, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind, dass Militär keinen Frieden schaffen kann. Allenfalls Zeit gewinnen, damit Politik Frieden schaffen kann, lautet jetzt ihre Devise.

Die offenkundige Krise militärischer Möglichkeiten stärkt die Chancen für eine neue Sicherheitsdebatte, mit dem Ziel, ernsthaft den Krieg zu ächten. Der Schlüssel liegt in der von einem der Obama-Vorgänger, Woodrow Wilson, während des Ersten Weltkrieges entwickelten Konzeption der kollektiven Sicherheit. Dabei geht es darum, nicht die Sicherheit einzelner Staaten auf Kosten anderer Staaten, sondern die Sicherheit aller Staaten gemeinsam zu gewährleisten. Der Krieg muss als gemeinsame Gefahr für alle aufgefasst werden, der die Interessen der gesamten Gemeinschaft berührt". Sicherheit wird damit als unteilbar betrachtet.

Otmar Steinbicker