Was ist nur mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu los?
Der schwadroniert munter von einem israelischen Militärschlag im Alleingang gegen den Iran – am besten noch vor dem Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen in der Annahme, dass dann kein Präsidentschaftskandidaten Israel die uneingeschränkte Solidarität verweigern kann. Dann rechnet er seinen Mitbürgern einen für ihn verschmerzbaren Verlust von 500 toten Israelis vor und wundert sich, dass ihm eigenen Land heftigster öffentlicher Protest entgegenschallt.
Da sind nicht nur die üblichen Intellektuellen, die medial gegen das Kriegsgeschrei auftreten. Da widerspricht auch Israels Staatspräsident Peres demonstrativ seinem Ministerpräsidenten. Und da sind sogar mit öffentlichen Statements diejenigen dabei, die üblicherweise von jeder Regierung in Fragen von Krieg und Friede in streng vertraulichen Runden um Rat gebeten werden: die Chefs des Militärs und der Geheimdienste! Kein Wunder, dass Gershon Baskin, der berühmte Vermittler bei der Freilassung des Soldaten Gilat Shalit, in seiner Kolumne in der national-konservativen „Jerusalem Post“ am Montag öffentlich die geistige Gesundheit des Ministerpräsidenten infrage stellte.
Aus den USA kommen klare Signale. Verteidigungsminister Panetta läßt keinen Zweifel aufkommen: Israel kann so etwas nicht allein und die USA sind derzeit nicht zu einem solchen Abenteuer bereit. David Ignatius, Kommentator der „Washington Post“ formulierte am Mittwoch deutlich: Eine diplomatische Lösung mit dem Iran zu finden, mag zwar frustrierend sein, aber die militärische Alternative wäre zu riskant.
Was also will Benjamin Netanjahu bewirken, wenn er unter diesen Umständen kaum in der Lage sein wird, den angedrohten Krieg auch zu beginnen? Will er wirklich einfach nur daran erinnern, dass das iranische Atomprogramm ein ungelöstes Problem ist, über das man sich in Israel große Sorgen macht?
Hier gibt es nichts Neues. Es gibt begründete Verdachtsmomente, dass der Iran eventuell über sein Programm zur zivilen Nutzung der Atomenergie einschließlich der Urananreicherung hinaus auch an der Entwicklung von Atomwaffen arbeiten könnte. Bewiesen ist das nicht. Eine ernsthafte Überprüfung ist angesagt!
Inwieweit eine iranische Atomwaffe – wenn es sie denn gäbe – Israel ernsthaft bedroht, ist eine offene Frage. Dass die iranische Führung bewusst den Startknopf drückt, gilt als unwahrscheinlich. Das Ergebnis wäre ein katastrophales Selbstmordprogramm: 200-300 israelische Atomwaffen würden als Antwort in Richtung Iran fliegen. Ein Fehlalarm oder eine Computerpanne, die Israel oder Iran irrtümlich einen Atomwaffenangriff der Gegenseite signalisiert, könnte ohne Angriffsabsichten zum gleichen Horrorszenario führen. Von einer Bagatellisierung möglicher iranischer Atomwaffen ist also dringend abzuraten.
Aber muss Netanjahu ernsthaft mit einem Krieg drohen, den er nicht führen kann, um uns an die Bedrohungsproblematik zu erinnern? Oder sieht er vielleicht eine ganz andere existenzielle Bedrohung für Israel, die nicht vom Iran und nicht von den arabischen Nachbarländern ausgeht? Die Gefahr, dass eines Tages die Palästinenser die zahlenmäßige Mehrheit der israelischen Bevölkerung stellen?
Erst am 14. August machte er mit Avi Dichter ausgerechnet jenen Abgeordneten zum neuen Heimatschutzminister, der ein Jahr zuvor einen Gesetzentwurf in die Knesset eingebracht hatte, der den seit der Staatsgründung postulierten Grundsatz wonach Israel ein „jüdischer und demokratischer“ Staat sein soll, außer Kraft setzt und im Zweifel die Demokratie dem Jüdischsein opfert. Das aber wäre eine andere Art von Selbstmordprogramm: Ein Selbstmord der israelischen Demokratie und in der Folge womöglich ein Ende der Akzeptanz Israels in der Weltgemeinschaft.
Um von einer solch massiven inneren Bedrohung abzulenken, hat Säbelrasseln und die Beschwörung ausländischer Feindbilder immer schon geholfen – auch in Staaten mit deutlich weniger traumatischer Vorbelastung durch existenzielle Bedrohung als Israel.
Otmar Steinbicker ist Herausgeber des Aachener Friedensmagazins www.aixpaix.de. Seine Beiträge finden Sie hier
Bombardierte Netanjahu in Syrien die Arabische Friedensinitiative?
Wann der nächste deutsche Soldat in Afghanistan sinnlos stirbt, ist lediglich eine Frage der Zeit
Wer im Nahen Osten Frieden will, muss jetzt Hoffnung säen und Realismus zeigen
Kampfdrohnen setzen die Hemmschwelle zur militärischen Gewaltanwendung deutlich herab
Gedanken zum Tage: Ein ganz normaler Tag im Krieg
Barack Obamas neue Männer: Nur andere Gesichter oder auch eine andere Politik?
Antwort auf eine Frage von Neues Deutschland
Stolpert Deutschland in den nächsten Krieg?
Stimmen Sie gegen die Entsendung von Bundeswehrsoldaten in die Türkei
Was Afghanistan jetzt braucht, ist eine politische Lösung
Bundesregierung legt Rückschrittsbericht zu Afghanistan vor
Waffenstillstand – Wie weiter?
Der Waffenstillstand wird kommen
Deutschland im Gaza-Konflikt – Diplomatischer Bankrott
Waffenstillstand oder Bodenoffensive? Israels Ministerpräsident ist in der Zwickmühle
Geht es Netanyahu wirklich um die Raketenabschüsse?
Petraeus größter Fehler war nicht seine Affäre, sondern seine Afghanistan-Strategie
Die wichtigsten Zeitungen der USA schlagen eine Friedenslösung mit den Taliban vor
Die NATO muss jetzt jetzt die Türkei zügeln!
Plant die Bundeswehr einen Einsatz in Afghanistan über 2020 hinaus?
US-Truppenverstärkung aus Afghanistan abgezogen – So klug als wie zuvor?
Die NATO ist nach Insider-Attacken mit ihrer Strategie in Afghanistan am Ende
Benjamin Netanjahus Säbelrasseln hinterlässt auch bei vielen Israelis blankes Entsetzen
Gibt es noch eine Chance für Gespräche mit den Taliban?
Die Taliban wissen, dass sie den Krieg nicht gewinnen können
Ist ein Ende der Gewalt in Syrien mit nichtmilitärischen Mitteln denkbar?
NATO-Gipfel zielt auf failed state
Afghanistan
Obama in Kabul: Nach dem Wahlkampf in den Bürgerkrieg?
Eine neue Runde im atomaren Rüstungswettlauf ist eingeläutet
Taliban-Offensive - Wer stoppt jetzt die Logik des Krieges?
Grass nach dem Hype - Was bleibt?
Günter Grass hat ein Gedicht geschrieben
Hektische Diplomatie um Afghanistanabzug zeigt Konzeptionslosigkeit
Die Zeit drängt, eine diplomatische Lösung im Atomkonflikt zu finden
NATO-Einsatz in Afghanistan: Das Spiel ist aus, wir gehen nach Haus?
Keine politische Lösung für Afghanistan ohne Waffenstillstand!
Israels Siedlungspolitik in den Palästinensergebieten gefährdet eine Zwei-Staaten-Lösung
Gespräche zwischen USA und Taliban werfen neue Fragen auf
Das Taliban-Büro
in Katar eine NATO-Idee?
Nur eine neutrale Übergangsregierung kann in Afghanistan einen Bürgerkrieg verhindern
Aachener Friedenspreis am Scheideweg
Europa hat für Afghanistan kein Konzept
Shorish-Plan
kann Afghanistan den Frieden bringen
Wie wird sich Afghanistan nach dem Abzug der internationalen Truppen 2014 entwickeln?
Stirbt mit Rabbanis Tod die Hoffnung auf Versöhnung?
Taliban signalisieren Verhandlungsbereitschaft - und die NATO?
Eine Petersberg-Konferenz ohne Taliban ist sinnlos
Debatte über Abzug aus Afghanistan: USA blamieren Deutschland
Nach Osamas Tod muss der Krieg in Afghanistan beendet werden
Bin Ladens Tötung - ein Signal für den Frieden?
Ist weltweiter Frieden möglich in einem kapitalistischen System – Ein Gespräch mit Otmar Steinbicker
Auf dem Weg in den nächsten Krieg? (08.03.2011)
Hat Gaddafi von der NATO abgekupfert? (04.03.2011)
Warum die NATO im 21. Jahrhundert keinen Sinn mehr macht (Aachener Nachrichten, 26.11.2010)
Verwirrende Signale um weiteren Afghanistan-Kurs (Aachener Nachrichten, 16.08.2010
Rede zur Nacht der 100.000 Kerzen
in Würselen, 05.08.2010
Pläne für Großoffensiven in Afghanistan stoßen auf Widerspruch (26.04.2010)
Der Tod der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan hätte verhindert werden können (15.04.2010)
Begründete Hoffnung auf zivile Konfliktbearbeitung in Afghanistan (Shalom-Brief 57, März 2010)
Afghanistan - Verhandeln statt Schießen (pax zeit 1/März 2010)
Der Konflikt in Afghanistan und gesellschaftliches Engagement - erschienen in: BBE-Newsletter 2/2010
Kommentar: Die 'Kommunikationskanäle zu den Taliban nutzen
(Aachener Nachrichten, 23.12.2009)
Die erste Bresche im Eisernen Vorhang, Reportage vom 19.08.1989 in Ungarn
Kommentar: Warum geht die Bundesregierung nicht auf die afghanische Friedens-Jirga zu?
Die Friedensbewegung ist quicklebendig - nicht nur zu Ostern
Gewalt beim Nato-Gipfel: Der Einsatz der Polizei wirft eine Reihe von Fragen auf
Zur Organisation der Anti-NATO-Proteste
Eine Stunde Zeit (Hörfunksendung v. 03.04.2009) mp3-Datei
Die Bundesregierung muss sich in Afghanistan vom Krieg der USA abnabeln
Iran - Sicherheitsgarantien statt Abschreckungslogik (Aachener Nachrichten, 22.12.2007)