Als am Mittwoch syrische Granaten in einem türkischen Grenzort einschlugen und zwei Frauen und ihre drei Kinder töteten, war ein deutlicher Protest angesagt – nicht zuletzt um eine weitere Eskalation von Kampfhandlungen zu stoppen! Dass die Türkei diesen Fall vor den UNO-Sicherheitsrat brachte, war die angemessene Reaktion. Dass sich die syrische Regierung für diesen tödlichen Zwischenfall entschuldigte, war das zu fordernde Minimum. Das hat die syrische Regierung getan, mehr auch nicht.
Doch die Türkei blieb nicht beim Protest stehen. Sie antwortete am Mittwoch mit der Beschiessung nicht näher definierter Ziele in Syrien, bei der nun syrische Soldaten ums Leben kamen. Auge um Auge, Zahn um Zahn ...?
Die Türkei blieb aber auch nicht bei diesem vergleichenden Racheprinzip stehen. Am heutigen frühen Donnerstag Morgen wurden weitere Ziele in Syrien bombardiert. Das türkische Parlament ist aufgerufen, im Laufe des Tages über ein Gesetz zu entscheiden, dass eine türkische Invasion in Syrien billigen soll.
Damit setzt die Türkei in einer höchst brisanten Situation auf massive Eskalation! Ja, man muss sich die Frage stellen, ob die türkische Regierung nicht womöglich auf einen solchen tödlichen Zwischenfall gewartet hat, um einen Anlass für einen ernsthaften Krieg zu finden, dessen Ausgang nach womöglich Tausenden von Toten völlig offen ist?
Jetzt ist die NATO gefordert, mäßigend einzuschreiten! Dass die NATO sich dem Protest ihres Verbündeten Türkei gegen die syrische Grenzverletzung anschloss, war angemessen. Aber will sie es riskieren, jetzt in einen weiteren Krieg hineingezogen zu werden? Oder will sie diesen Krieg womöglich auch? Gegen Syrien oder womöglich auch in weiterer Eskalation gegen Iran? Nein, wir sollten da nicht vorschnell spekulieren! Aber, wenn die NATO einen solchen Krieg nicht will, dann muss sie sich jetzt schnell und unmissverständlich äußern und ihren Verbündeten Türkei an die Kandarre nehmen, bevor ein größerer Kriegsbrand entfacht wird!
Otmar Steinbicker ist Herausgeber des Aachener Friedensmagazins www.aixpaix.de. Seine Beiträge finden Sie hier
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