10.12.2010 - Aus der Sicht des Beauftragten für Friedensarbeit des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, ist Friedensbildung eine Kernaufgabe der Schulen, die es auszubauen gilt. Dieses Ziel verfolgt ein neues Projekt der Aktionsgemeinschaft Dienst für Frieden (AGFD) und der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer (EAK). So sollen Lehrern und Lehrerinnen geeignete Materialien für den Unterricht zur Verfügung gestellt werden und ein Pool qualifizierter Referenten und Referentinnen aufgebaut werden, die von Schulen eingeladen werden können. In der gemeinsamen Geschäftsstelle von AGFD und EAK wird zudem die aktuelle Diskussion zur Rolle der Bundeswehr an Schulen ausgewertet und Interessierten Analysen und Dokumente zur Verfügung gestellt.
Angesichts geringer Akzeptanz ihrer Auslandseinsätze in der Bevölkerung und Nachwuchssorgen bemühe sich die Bundeswehr um größeren Einfluss an Schulen, so der Geschäftsführer der AGFD, Jan Gildemeister. Mittlerweile wurden mit acht Bundesländern Kooperationsverträge über den Einsatz von Jugendoffizieren geschlossen. Zugleich mangele es in Medien aber an Berichten über gelungene Beispiele des konstruktiven Umgangs mit gesellschaftlichen Konflikten. Durch Friedensbildung an Schulen könne der Blick der Jugendlichen für Fragen von Krieg und Frieden geschärft, ihr Urteilsvermögen gefördert und ihnen Handlungskompetenzen vermittelt werden. Durch eine bundesweite Initiative von Friedensverbänden, kirchlichen Akteuren und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) soll Friedensbildung an Schulen gestärkt werden.
Im Dezember des vergangenen Jahres wurde ein Beirat für das Projekt „Friedensbildung, Bundeswehr & Schule“ gegründet, in dem die beteiligten Organisationen vertreten sind, darunter neben der AGFD, der EAK und der GEW auch der Evangelische Entwicklungsdienst und Pax Christi. Als erste Arbeitsschritte wurden die Erstellung einer Homepage, der Aufbau des ReferenInnen-Pools und die Einrichtung einer Materialsammelstelle vereinbart.
Stellungnahme von pax christi
Das Afghanistan-Desaster der NATO zeigt ebenso wie andere Militäraktionen, dass Kriege heute kaum noch gewinnbar sind. Zu glauben, man könne damit Probleme lösen, erweist sich immer häufiger als tödliche Illusion.
Zivile Konfliktbearbeitung dagegen kann Bürgerkriege beenden. Der Aachener Karlspreisträger Andrea Riccardi hat das in Moçambique eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Krieg hat aufgehört, "ultima ratio" zu sein, Krieg wird immer deutlicher zur "ultima irratio".
So ist es ein wenig still geworden um die vor wenigen Jahren noch hochgepriesenen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ihre Perspektive steckt in der Sackgasse Afghanistan. Längst sind die Generale kleinlaut geworden, geben offen zu, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind, dass Militär keinen Frieden schaffen kann. Allenfalls Zeit gewinnen, damit Politik Frieden schaffen kann, lautet jetzt ihre Devise.
Die offenkundige Krise militärischer Möglichkeiten stärkt die Chancen für eine neue Sicherheitsdebatte, mit dem Ziel, ernsthaft den Krieg zu ächten. Der Schlüssel liegt in der von einem der Obama-Vorgänger, Woodrow Wilson, während des Ersten Weltkrieges entwickelten Konzeption der kollektiven Sicherheit. Dabei geht es darum, nicht die Sicherheit einzelner Staaten auf Kosten anderer Staaten, sondern die Sicherheit aller Staaten gemeinsam zu gewährleisten. Der Krieg muss als gemeinsame Gefahr für alle aufgefasst werden, der die Interessen der gesamten Gemeinschaft berührt". Sicherheit wird damit als unteilbar betrachtet.
Otmar Steinbicker