NGOs zu Münchner Sicherheitskonferenz:

Ressourcensicherheit ist keine Frage militärischer Lösungen

Die vom 5. bis 7. Februar 2010 tagende 46. Münchner Sicherheitskonferenz hat sich – neben der militärischen Strategie für Afghanistan – „Ressourcensicherheit“ als zentrales Thema gesetzt. Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sowie das BICC (Internationales Konversionszentrum Bonn) warnen davor, die Rohstofffrage sicherheitspolitisch zu vereinnahmen. Eine internationale Rohstoffstrategie müsse stattdessen die Frage der Versorgungssicherheit mit der nach Ressourcengerechtigkeit verbinden. Industrieländer, die zur Versorgung der eigenen Bevölkerung und Wirtschaft wichtige Rohstoffe importieren, seien gefordert, auch Verpflichtungen für eine nachhaltige Entwicklung in den Ländern des Südens einzugehen.

Die Sicherheitskonferenz will das Thema Ressourcensicherheit auch in Zusammenhang mit der künftigen NATO-Strategie diskutieren. Bereits das 1991 in Rom verabschiedete Strategische Konzept der NATO erweiterte die Einsatzmöglichkeiten des Bündnisses auf weltweite „Instabilitäten“, einschließlich der „Unterbrechung der Zufuhr lebenswichtiger Ressourcen sowie von Terror- und Sabotageakten“. Damit droht das Bündnis die Versorgung mit Ressourcen als Aufgabengebiet der Sicherheitspolitik zu vereinnahmen.  Diese Sichtweise ist einseitig, gefährlich und verkennt das Ausmaß der zugrundeliegenden Probleme.

„Das Beispiel der Piraterie vor der Küste Somalias zeigt, dass es nahezu unmöglich ist, etwa Handelswege rein militärisch zu sichern. Wenn eine Situation in einem Staat zutiefst instabil ist, müssen strukturelle Konfliktursachen angegangen werden“, stellt Wolf-Christian Paes, Leiter des Forschungsbereichs „Natürliche Ressourcen und Konflikte“ am BICC, fest.

Die Behandlung des Themas Ressourcensicherheit vor allem unter sicherheitspolitischen Aspekten berge auch die Gefahr, dass entwicklungspolitische Zielsetzungen zu kurz kämen. „Politische, soziale und ökologische Risiken und Probleme in Produzentenländern lassen sich keinesfalls militärisch lösen“, betont Bernd Bornhorst, Leiter der Abteilung Entwicklungspolitik von Misereor.

Die Warnung vor einer zu stark sicherheitspolitisch geprägten Herangehensweise an die Rohstoffsicherheit verbinden die NGOs mit einer Kritik an der gegenwärtigen europäischen und deutschen Rohstoffstrategie. Diese lasse z.B. klare menschenrechtliche Standards für alle staatlichen Außenwirtschaftsförderungsinstrumente vermissen. Es fehle an Transparenz und Offenlegungspflichten. Zudem gebe es keine Kriterien für die Definition von „Konfliktrohstoffen“, um deren Handel zu unterbinden und, wenn nötig, gezielte Sanktionen zu ermöglichen. „Die Industriestaaten müssen Lösungen finden, bei der die eigene Versorgungssicherheit nicht auf Kosten der lokalen Bevölkerung in den Abbaugebieten hergestellt wird“, fordert Birthe Gäth von Brot für die Welt.

„Menschenrechte und Umweltschutz dürfen nicht der Jagd nach Rohstoffen zum Opfer fallen, sondern müssen zum Fundament der europäischen und deutschen Rohstoffstrategie werden“, unterstreicht Sebastian Rötters von der Menschenrechtsorganisation FIAN.


World Wide Web aixpaix.de

Krieg ist die
"ultima irratio"

Das Afghanistan-Desaster der NATO zeigt ebenso wie andere Militäraktionen, dass Kriege heute kaum noch gewinnbar sind. Zu glauben, man könne damit Probleme lösen, erweist sich immer häufiger als tödliche Illusion.

Zivile Konfliktbearbeitung dagegen kann Bürgerkriege beenden. Der Aachener Karlspreisträger Andrea Riccardi hat das in Moçambique eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Krieg hat aufgehört, "ultima ratio" zu sein, Krieg wird immer deutlicher zur "ultima irratio".

So ist es ein wenig still geworden um die vor wenigen Jahren noch hochgepriesenen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ihre Perspektive steckt in der Sackgasse Afghanistan. Längst sind die Generale kleinlaut geworden, geben offen zu, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind, dass Militär keinen Frieden schaffen kann. Allenfalls Zeit gewinnen, damit Politik Frieden schaffen kann, lautet jetzt ihre Devise.

Die offenkundige Krise militärischer Möglichkeiten stärkt die Chancen für eine neue Sicherheitsdebatte, mit dem Ziel, ernsthaft den Krieg zu ächten. Der Schlüssel liegt in der von einem der Obama-Vorgänger, Woodrow Wilson, während des Ersten Weltkrieges entwickelten Konzeption der kollektiven Sicherheit. Dabei geht es darum, nicht die Sicherheit einzelner Staaten auf Kosten anderer Staaten, sondern die Sicherheit aller Staaten gemeinsam zu gewährleisten. Der Krieg muss als gemeinsame Gefahr für alle aufgefasst werden, der die Interessen der gesamten Gemeinschaft berührt". Sicherheit wird damit als unteilbar betrachtet.

Otmar Steinbicker