21.12.2011
Lieber Horst,
wir sind traurig, dass Du uns verlassen hast und wir sind dankbar für viele Jahre friedensbewegter Zusammenarbeit mit Dir.
Du stehst für uns in der Reihe der Menschen, die für die deutsche Friedensbewegung von großer Bedeutung waren und sie nach außen repräsentiert haben: wie Martin Niemöller, Robert Jungk, Helmut Gollwitzer und Dorothee Sölle.
Wir hören Dich noch auf unseren Protest-Versammlungen und Märschen sprechen, mit Deiner Stimme, die Entschiedenheit ausdrückte, aber doch immer fragend war.
Wir erinnern uns an gemeinsame Sitzblockaden, ebenso wie an differenzierte Diskussionen über Gewalt und Moral.
Wir lauschen noch Deinen Berichten von Treffen mit Gorbatschow, bei denen es um Perestroika und eine Welt der Abrüstung ging, aber auch um das Schicksal der Gefangenen und Misshandelten.
Wir beraten noch mit Dir über die nächsten Schritte, wie militärischer Wahnsinn in zivile Bearbeitung von Konflikten zu wenden sei.
Bei allen ernsten Gesprächen lachen wir noch mit Dir und bewundern die vielen schönen Steine, die Du im Gebirge sammeltest oder die Sandsteinrosen aus hessischen Landen.
Wir bewundern Dich, weil Du auch gegenüber den Mächtigen, mit denen Du sprechen konntest, nicht eingelenkt hast. Nein, Du hast Dich nicht angepasst bei aller Konzilianz.
In Deinen Büchern hast Du uns immer wieder Mut gemacht, nicht zu verzagen. Lernen sollten wir, mit unserer Angst umzugehen und der Anpassung an den Mainstream zu widerstehen.
Manche von uns sind mit Dir auf Deinen himmlischen Krisengipfel gestiegen und trafen dort Platon, Augustinus, Descartes, Marx, Freud und Einstein auf der Sünderbank. Letzterer wusste angeblich nicht mehr weiter. An dieser Stelle schiebst Du ein Kapitel ein mit dem Titel: „Rettung durch die Frauen?“. Daran arbeiten wir noch.
Du, Horst, hast uns in Deinen Schriften und Überlegungen ein großes Erbe hinterlassen. Wir werden versuchen, dem gerecht zu werden. Wir hätten Dich auch gerne noch zu dem einen oder anderen befragt. Jetzt müssen wir selbst damit zurecht kommen. Doch Du hast uns dazu sehr ermutigt. Danke, Horst!
Die Kooperation für den Frieden mit den Worten von Andreas Buro
Mitwirkende der Kooperation für den Frieden: Aachener Friedensmagazin aixpaix ● Aachener Friedenspreis e.V. ● Aktionsbündnis Freiheit statt Angst e.V. ● Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF)●Aktionsgemeinschaft Friedens woche Minden ● Arbeitsstelle Frieden und Abrüstung (asfrab) ● Bildungsund Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion KURVE Wustrow ● Bremer Aktion für Kinder (BAKI) ● Bremer Friedensforum ● Bund demokratischer WissenschaftlerInnen (BdWi) ● Bund für Soziale Verteidigung (BSV) ● Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) ● Christen für gerechte Wirtschaftsordnung(CGW) ● Deutsche Friedensgesellschaft-VereinigteKriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) ● EUCOMmunity ● Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) ● Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland-Friedensausschüsse ● ForumFriedensethik in der Evangelischen Landeskirche in Baden ● Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FifF) ● Frauen in Schwarz Hamburg ● Frauen in Schwarz Köln ● Frauennetzwerk für den Frieden e.V. ● Friedensbündnis Braunschweig ● Friedensfestival Berlin ● Friedensforum Münster ● Friedensgruppe Altenholz ● Friedensinitiative Nottuln e.V. ● Friedensinitiative Kyritz- Ruppiner Heide ●Friedensrat Müllheim ● Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Hauptvorstand ● Heidelberger Friedensratschlag ● IALANA (International Association of Lawyers against Nuclear Arms)●IFIAS (Institute for International Assistance and Solidarity) ● Impuls-Afghanistan e.V., Ravensburg ● Infostelle für Friedensarbeit, Meckenheim ● IPPNW, Deutsche Sektion der internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung ● Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit ● Internationaler Versöhnungsbunddeutscher Zweig (VB) ● Komitee für Grundrechte und Demokratie ● Koordinierungsausschuss der Friedensbewegung in der Region Ingolstadt●Lebenshaus Schwäbische Alb ● Leserinitiative Publik e.V. ● Menschen für den Frieden/Anti-KriegsbündnisDüsseldorf ● Mönchengladbacher Friedensforum ● NaturwissenschaftlerInnen-Initiative „Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit“ ● Netzwerk Friedenskooperative ● Netzwerk Friedenssteuer ● Ökumenisches Friedensnetz Düsseldorfer Christinnen und Christen ● Ökumenisches Netz Württemberg ● Ökumenisches Zentrum für Umwelt-, Friedens- und Eine- Welt-Arbeit, Berlin ● Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF) ● pax christi/Deutsche Sektion ● Rhöner Friedenswerkstatt im UNESCO Biosphärenreservat, Künzell ● Ulmer Ärzteinitiative ● Sichelschmiede, Werkstatt für Friedensarbeit in der Kyritz-Ruppiner Heide●Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) ● Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Baden ● Würselener Initiative für den Frieden
Das Afghanistan-Desaster der NATO zeigt ebenso wie andere Militäraktionen, dass Kriege heute kaum noch gewinnbar sind. Zu glauben, man könne damit Probleme lösen, erweist sich immer häufiger als tödliche Illusion.
Zivile Konfliktbearbeitung dagegen kann Bürgerkriege beenden. Der Aachener Karlspreisträger Andrea Riccardi hat das in Moçambique eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Krieg hat aufgehört, "ultima ratio" zu sein, Krieg wird immer deutlicher zur "ultima irratio".
So ist es ein wenig still geworden um die vor wenigen Jahren noch hochgepriesenen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ihre Perspektive steckt in der Sackgasse Afghanistan. Längst sind die Generale kleinlaut geworden, geben offen zu, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind, dass Militär keinen Frieden schaffen kann. Allenfalls Zeit gewinnen, damit Politik Frieden schaffen kann, lautet jetzt ihre Devise.
Die offenkundige Krise militärischer Möglichkeiten stärkt die Chancen für eine neue Sicherheitsdebatte, mit dem Ziel, ernsthaft den Krieg zu ächten. Der Schlüssel liegt in der von einem der Obama-Vorgänger, Woodrow Wilson, während des Ersten Weltkrieges entwickelten Konzeption der kollektiven Sicherheit. Dabei geht es darum, nicht die Sicherheit einzelner Staaten auf Kosten anderer Staaten, sondern die Sicherheit aller Staaten gemeinsam zu gewährleisten. Der Krieg muss als gemeinsame Gefahr für alle aufgefasst werden, der die Interessen der gesamten Gemeinschaft berührt". Sicherheit wird damit als unteilbar betrachtet.
Otmar Steinbicker