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Foto: Martin Funk |
30.11.2011 - Die kolumbianische Friedensgemeinde San José de Apartadó hat dringend um internationale Solidarität gegen Übergriffe paramilitärischer Truppen gebeten.
In einem auf der Homepage der Friedensgemeinde veröffentlichten Appell in englischer Sprache heißt es: „Heute, am 28. November, kamen ungefähr 200 Paramilitärs in den Distrikt von La Esperanza, wo sie Einwohner über mehrere Stunden festhielten und ins Gesundheitszentrum einsperrten.“ Dort wurden die Einwohner nach eigenen Angaben verhört. Die Paramilitärs kündigten an, dass sie in La Esperanza bleiben und das Gebiet kontrollieren würden. Sie sagten weiter, dass sie bereits drei große Farmen in Playa Larga gekauft hätten, die sie als Basen nutzen und weitere Farmen bräuchten. Die Eigentümer müssten verkaufen, ob sie es wollten oder nicht. Die Paramilitärs kündigten an, dass sie im ganzen Land dasselbe machen werden.
Die Friedensgemeinde sieht darin eine dramatische Situation. Es drohe die Vertreibung und Ermordung, wenn die Menschen nicht den Regeln der Paramilitärs gehorchten. Wir weigern uns, das zu akzeptieren, weil es gegen unsere Grundsätze des Lebens geht“, schreibt die Friedensgemeinde. „Wir bitten um Solidarität und darum, unsere Forderung zu unterstützen, dass der Staat damit aufhört als ein Komplize der Paramilitärs zu handeln.“
Zwischen 1997 und 2007 164 Einwohner aus San José von Paramilitärs ermordet.
Die Friedensgemeinde San José de Apartadó erhielt 2007 den Aachener Friedenspreis.
Der Appell im Wortlaut
Das Afghanistan-Desaster der NATO zeigt ebenso wie andere Militäraktionen, dass Kriege heute kaum noch gewinnbar sind. Zu glauben, man könne damit Probleme lösen, erweist sich immer häufiger als tödliche Illusion.
Zivile Konfliktbearbeitung dagegen kann Bürgerkriege beenden. Der Aachener Karlspreisträger Andrea Riccardi hat das in Moçambique eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Krieg hat aufgehört, "ultima ratio" zu sein, Krieg wird immer deutlicher zur "ultima irratio".
So ist es ein wenig still geworden um die vor wenigen Jahren noch hochgepriesenen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ihre Perspektive steckt in der Sackgasse Afghanistan. Längst sind die Generale kleinlaut geworden, geben offen zu, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind, dass Militär keinen Frieden schaffen kann. Allenfalls Zeit gewinnen, damit Politik Frieden schaffen kann, lautet jetzt ihre Devise.
Die offenkundige Krise militärischer Möglichkeiten stärkt die Chancen für eine neue Sicherheitsdebatte, mit dem Ziel, ernsthaft den Krieg zu ächten. Der Schlüssel liegt in der von einem der Obama-Vorgänger, Woodrow Wilson, während des Ersten Weltkrieges entwickelten Konzeption der kollektiven Sicherheit. Dabei geht es darum, nicht die Sicherheit einzelner Staaten auf Kosten anderer Staaten, sondern die Sicherheit aller Staaten gemeinsam zu gewährleisten. Der Krieg muss als gemeinsame Gefahr für alle aufgefasst werden, der die Interessen der gesamten Gemeinschaft berührt". Sicherheit wird damit als unteilbar betrachtet.
Otmar Steinbicker