Zwei Aachener Friedenspreisträger in Mexiko aktiv
Peace Brigades International schützen Comité Cerezo
Ein pbi-Feiwilliger begleitet Alejandro Cerezo bei einer Demonstration in Mexiko-Stadt
Seit 2002 begleitet die in Deutschland ansässige und von der UN anerkannte Nichtregierungsorganisation peace brigades international (pbi) das Comité Cerezo, eine Organisation, die sich für politsche und Gewissensgefangene in Mexiko einsetzt. pbi erhielt 1999 den Aachener Friedenspreis, am 1.9.2012 wird auch das Comité Cerezo damit ausgezeichnet.
Alles fing damit an, dass am 08. August 2001 in Mexiko-Stadt in drei Filialen der Bank „Banamex“ Bomben explodierten. Daraufhin wurden am 13. August 2001 die Studenten Héctor, Antonio und Alejandro Cerezo Contreras festgenommen und misshandelt. Man beschuldigte sie die Anschläge verübt zu haben. Das ist der Ursprung des Comité Cerezo, welches sich um die zwei Geschwister der Verhafteten, Emiliana und Francisco, nach den Inhaftierungen gegründet hat.
Da insbesondere die Geschwister, Emiliana und Francisco, seit der Gründung des Komitees viele Morddrohungen erhalten haben und verfolgt wurden, fragte das Comité Cerezo im Jahre 2002 schließlich peace brigades international (pbi), die schon seit 1999 in Mexiko aktiv sind, nach Schutzbegleitung an. Seitdem werden Emiliana und Francisco, und seit 2005 auch ihr Bruder Alejandro von pbi begleitet.
peace brigades international (pbi)
peace brigades international (pbi) ist eine international tätige gewaltfreie Friedens- und Menschenrechtsorganisation. pbi wurde 1981 gegründet und hat sich seither in verschiedenen Ländern erfolgreich für den Schutz der Menschenrechte und die gewaltfreie Konfliktbearbeitung eingesetzt. International zusammengesetzte Teams von Freiwilligen begleiten einheimische MenschenrechtsverteidigerInnen und Friedenskräfte, fördern gewaltfreie Konfliktbearbeitung und schaffen Raum für Friedensprozesse. Das von pbi entwickelte Konzept einer schützenden Begleitung der lokalen Zivilbevölkerung leistet dabei einen unmittelbaren Beitrag zur Gewaltprävention und trägt langfristig zur Stärkung ziviler Konfliktlösungsmöglichkeiten bei. pbi bekennt sich zu den Grundsätzen der Gewaltfreiheit, Unabhängigkeit, Überparteilichkeit und Nichteinmischung und wird nur auf Anfrage tätig. Zur Zeit unterhält pbi Projekte in Kolumbien, Mexiko, Guatemala, Nepal und Kenia. Zudem wird es Ende 2012 eine zweite Erkundungsmission in Honduras geben, die klären soll, inwieweit pbi in Honduras aktiv werden kann. Insgesamt sind etwa 70 Freiwillige im Einsatz, die sich vollzeitlich und für mindestens ein Jahr verpflichtet haben.
Die abschreckende, gewaltverhindernde Wirkung der Schutzbegleitung von pbi wird durch den Aufbau und die Pflege eines weitläufigen Kontaktnetzes verstärkt. Beziehungen zu den Konfliktparteien, Regierungsstellen, Botschaften, nationalen und internationalen Organisationen sind nämlich besonders wichtig, um die Sicherheit der pbi-Teams und der begleiteten Menschen und Organisationen zu erhöhen.
Die Kriminalisierung als Taktik soziale Bewegungen einzuschüchtern
Mittlerweile sind die Brüder wieder in Freiheit. Alejandro Cerezo ist, nachdem alle Vorwürfe fallengelassen worden sind, im März 2005 frei gekommen. Seine Brüder Hector und Antonio jedoch sind bedauerlicherweise erst im Februar 2009, nach Ablauf der vollen Strafe, aus dem Gefängnis entlassen worden.
Die Anklage lautete bei allen Brüdern gleich: Verübung von terroristischen Anschlägen sowie Mitgliedschaft in einer kriminellen und terroristischen Vereinigung. Alle drei Brüder waren Studenten, die mit indigenen Gemeinden gearbeitet und u.a. Artikel und Broschüren zu der Problematik der ländlichen und indigenen Bevölkerung veröffentlicht haben. Die Anklage auf kriminelle Vereinigung ist in Mexiko keine Seltenheit, wenn es darum geht, soziale Organisationen bei ihrer Arbeit zu hindern.
Die Arbeit des Komitees heute
pbi-Freiwillige mit Elga Aguilar und Antonio Cerezo. Fotos: pbi
Heute besteht das Comité Cerezo aus 14 ehrenamtlichen Mitarbeitern und setzt sich allgemein für politische und Gewissensgefangene in Mexiko ein. Für ein wenig finanzielle Unterstützung sorgt ein kleines Cafe, das das Komitee betreibt. Ihren persönlichen Lebensunterhalt verdienen die Mitarbeiter allerdings hauptsächlich durch Nebenjobs. Neben ihrem Einsatz für die politisch Gefangenen veranstaltet das Komitee noch Seminare und Workshops für die Mitglieder von sozialen Organisationen. Der Schwerpunkt hierbei liegt auf einer Sensibilisierung für die Menschenrechte generell und deren Präsenz in Arbeitsweisen und Zielen. Darauf aufbauend veranstalten sie auch Workshops, in denen es um die Sicherheit von MenschenrechtsverteidigerInnen geht. Diese Workshops hat das Komitee einst selbst in Form von Sicherheitstrainings von peace brigades international erhalten.
Nachdem es längere Zeit keine Drohungen gegen das Komitee gegeben hat, kam es bedauerlicherweise im letzten Jahr wieder zu einer Häufung u.a. von Morddrohungen, woraufhin pbi gezwungen war die Begleitung des Komitees wieder zu intensivieren.
Alexander Weber, peace brigades international (pbi)