Lügengeschichte des Monats April 2016

Karl Grobe

Chinas Strafexpedition gegen Vietnam 1979

Solange der Vietnamkrieg andauerte, hielt die Sozialistische Republik Vietnam sich sorgfältig aus dem Konflikt zwischen Moskau und Peking heraus.

Das wiedervereinigte Vietnam trat am 29. Juni 1978 dem Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe bei und schloss am 3. November desselben Jahres einen Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit mit der Sowjetunion. Seit Mitte der Siebziger Jahre hatten sich die Beziehungen zwischen Vietnam und China verschlechtert, was zu regionalen Konflikten im ehemaligen Französisch-Indochina beitrug. In Kambodscha übernahmen die Roten Khmer die Macht (17. April 1975) und sicherten sich die Unterstützung durch China, ungeachtet ihrer Terrorherschaft. Am 30. April eroberten Nordvietnam und die Nationale Befreiungsfront Südvietnam. Der Konflikt eskalierte; im Dezember 1978 marschierte die vietnamesische Armee in Kambodscha ein und eroberte am 8. Januar 1979 die Hauptstadt Phnom Penh.

Am 17. Februar 1979 griff China an 26 Orten entlang der 1200 Kilometer langen Grenze Vietnam an und drang ein Dutzend Kilometer in das Land ein. Der vietnamesische Widerstand erwies sich als stärker als erwartet. Am 5. März zogen die chinesischen Truppen sich zurück. In Peking wurde verkündet, dass der „Amokläufer südlich der Grenze“ nun die verdiente Strafe für seinen Überfall auf Kambodscha und für die Verfolgung chinesischstämmiger Bewohner (vor allem in Saigon) erhalten habe. Damit war das entscheidende Motiv Pekings erklärt, und der Begriff „Strafaktion“ bürgerte sich ein. Eine Strafe, die der Tat auf dem Fuße folgte.

Diese Erzählung ist falsch. Chinas Führung war an Kambodscha nicht unmittelbar interessiert (mittelbar sehr wohl) und hatten andere Motive. Der „Fall Vietnam“ diente hauptsächlich zu ihrer Verschleierung.

Zum Beitrag

Projekt Münchhausen

Jeder Stifter einer Weltreligion verhieß Frieden, und zwar im Diesseits, zu erreichen durch Toleranz, Barmherzigkeit, Menschlichkeit. Staatsgründer taten es ihnen gleich und schrieben in ihre Grundgesetze: All men are created equal (Unabhängigkeitserklärung der USA). Großartige, kluge Worte. Und doch ist die menschliche Geschichte geprägt von Gewalt und Krieg, deren Beute von wenigen eingesackt wurde und dessen Leid von den Vielen getragen werden musste.

Wie gelang es und gelingt es in fast allen Gesellschaftsformationen, die Menschen gegeneinander in Stellung und zu Mord und Totschlag zu bringen und dies noch als gute und ehrenvolle Taten zu verkaufen? Die Massenmörder schrieben und schreiben die Geschichte, sie ließen sich den Titel ‚Der Große’ zumessen, und der Tod auf dem Schlachtfeld wurde zum Heldentod verklärt, während die ‚Kollateralschäden’ ignoriert wurden. Interessen obsiegen über Ethik und Moral.

Das Projekt Münchhausen fordert alle auf, die Geschichten der großen und kleinen Kriegslügen zu erzählen, mit denen die Menschen zur Gewalt gegen einander verführt wurden – von den Kreuzzügen, über den angeblich Gerechten Krieg, den Tonking-Zwischenfall an den Küsten Vietnams, bis zur dreisten Lüge des US-Außenministers über die Atombomben des Saddam Hussein und dem Militär als letztem Mittel der angeblich Humanitären Intervention?

Wir müssen uns befreien von dem Spinnengewebe der Lügen und Legitimationsideologien, die unsere Mitmenschen zu Feinden und Feindbildern und uns zu Gewalt gegen sie in der globalisierten Gesellschaft machen wollen. Das Projekt Münchhausen soll dazu einen Beitrag leisten.

Hannes Wader

Es ist an der Zeit

Weit in der Champagne im Mittsommergrün,
dort wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blühn,
da flüstern die Gräser und wiegen sich leicht,
im Wind der sanft über das Gräberfeld streicht.

Auf deinem Kreuz finde ich toter Soldat,
deinen Namen nicht, nur Ziffern und jemand hat die Zahl 1900 und 16 gemalt
und du warst nicht einmal 19 Jahre alt.

Ja auch dich haben sie schon genauso belogen, so wie sie es mit uns heute immer noch tun.
Und du hast ihnen alles gegeben, deine Kraft, deine Jugend, dein Leben.


World Wide Web aixpaix.de

Es schrieben bisher Lügengeschichten:

Gabi Bieberstein, Ratsmitglied Attac, Versöhnungsbund

Dr. Volker Böge, Friedensforscher und Historiker

Prof. Dr. Andreas Buro, Politikwissenschaftler

Dr. Karl Grobe, Journalist

Dr. phil. Tessa Hofmann, Genozidforscherin; Arbeitsgruppe Anerkennung – Gegen Genozid, für Völkerverständigung e.V.

Matthias Jochheim, IPPNW

Prof. Dr. Mohssen Massarrat, Politikwissenschaftler

Prof. Dr. Volker Matthies, Politikwissenschaftler

Prof. Dr. Henning Melber, Politikwissenschaftler

Otfried Nassauer, Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit

Wiltrud Roesch-Metzler, Bundesvorsitzende Pax Christi

Clemens Ronnefeldt, Versölnungsbund

Prof. Dr. Werner Ruf, Politikwissenschaftler

Mehmet Sahin, Dialogkreis Türkei/ Kurden

Jochen Scholz, Oberstleutnant a.D. und freier Autor

Dr. Christine Schweitzer, Friedensforscherin, BSV

Martin Singe, Friedensforscher, Komitee für Grundrechte und Demokratie

Otmar Steinbicker, Herausgeber des Aachener Friedensmagazins aixpaix.de

Prof. Dr. Wolfram Wette, Historiker und Friedensforscher

Lügengeschichte des Monats April 2016

Chinas Strafexpedition gegen Vietnam 1979

Lügengeschichte des Monats März 2016

Was hat Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew in München gesagt?

Lügengeschichte des Monats Februar 2016

Lawrence of Arabia: Als die britische Kolonialmacht die Araber belog

Lügengeschichte des Monats Dezember 2015

Pearl Harbor oder Opfer für den Kriegseintritt der USA?

Lügengeschichte des Monats November 2015

Männliche Agressivität die Ursache von Kriegen?

Lügengeschichte des Monats Oktober 2015

Katyn

Lügengeschichte des Monats September 2015

Die Rechtfertigung der Atombombenabwürfe

Lügengeschichte des Monats August 2015

Der Kalte Krieg made in USA?

Lügengeschichte des Monats Juli 2015

Krieg gegen Gaza 2012: Falsches Bild der Gewaltspirale

Lügengeschichte des Monats Juni 2015

100 Jahre ANZAC Mythos

Lügengeschichte des Monats Mai 2015

Die Lüge vom Raketenabwehrschild gegen Iran

Lügen und verschweigen / April 2015

Der Genozid an armenischen Christen im Osmanischen Reich 1915

Lügengeschichte des Monats März 2015

US-Außenminister Colin Powell belügt die UN für Angriff auf Irak

Verlogenes des Monats Februar 2015

Der Völkermord an den Herero und Nama in „Deutsch-Südwestafrika“ (1904-1907) als zivilisatorische Maßnahme

Die Enttäuschungsgeschichte des Monats Januar 2015

Die Enttäuschungsgeschichte vom Streben nach einer atomwaffenfreien Welt

Die Lügengeschichten des Monats Dezember 2014

Die Lüge von der „Nachrüstung“

Adenauer lügt für Atomwaffen

Die Lügengeschichten des Monats November 2014

Die Dolchstoßlegende – eine deutsche Kriegslüge von 1918/19 und ihre schwerwiegenden Folgen

Verlogenes des Monats Oktober 2014

Von den Kemalisten gebrochenes Versprechen führt zu 90 Jahren Kampf der Türken gegen die Kurden

Die Lügengeschichten des Monats September 2014

Kunduz-Bombardement am 4.9.2009

Der Überfall auf den Sender Gleiwitz 1939

Die Lügengeschichten des Monats August 2014

Deutsche Kriegslügen in der Julikrise 1914

Die „Emser Depesche“

Die Lügengeschichte des Monats Juli 2014

Gaza-Krieg: Der gebrochene Waffenstillstand

Lügengeschichten des Monats Mai 2014

Der Kampf gegen Irans nicht vorhandene Atomraketen

Die Nazi-Mai-Lüge und ihre Opfer

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Wer hat am 21. August 2013 Giftgas bei Damaskus eingesetzt?

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Es begann mit einer Lüge – Kosovo-/ Jugoslawienkrieg 1999

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Münchhausen und die Bundeswehr in Mali

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Krieg gerecht gelogen

1990 – Lügen am Golf 1990

1964 – Der Zwischenfall von Tonking oder wie man einen erwünschten Krieg inszeniert

1867/68 – Der Krieg des britischen Empire gegen den Kaiser von Äthiopien

Impressum

Projekt Münchhausen

Initiator

Prof. Dr. Andreas Buro (+)

Redaktion

Dr. Karl Grobe
Wiltrud Rösch-Metzler
Prof. Dr. Werner Ruf
Dr. Christine Schweitzer
Otmar Steinbicker

Kontakt

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