12.05.2011 - Tausende IrakerInnen gehen auf die Straße. Sie fordern aber keinen Machtwechsel, sondern bessere Lebensbedingungen und das Ende der weit verbreiteten Korruption.
Während des sogenannten „Arabischen Frühlings“ gehen zur Zeit überall im Nahen Osten Menschen auf die Straße; so auch im Irak, wo die Männer und Frauen des „Iraqi Nonviolence Movement“, La'Onf, zusammen mit tausenden anderen AktivistInnen protestieren. Im Gegensatz zu den Protesten in vielen anderen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas wurden die Demonstrationen im Irak jedoch nicht organisiert, um die Regierung zu stürzen, sondern um bessere Lebensbedingungen und das Ende der Korruption zu fordern.
Die größten Demonstrationen finden überall im Irak statt. Ihren Anfang nahmen sie am 25. Februar, der von den IrakerInnen „Tag des Zorns“ genannt wird. Diese Demonstrationen dauern seitdem an. Zu den Zielen der Protestierenden gehören das Ende der weit verbreiteten Korruption; besseren Zugang zu Elektrizität, Wasser, Bildung, und Jobs; und den Schutz von Menschen-, Frauen- und Arbeitsrechten. Die OrganisatorInnen sind besonders darauf bedacht, die Proteste gewaltlos zu halten. Aus dem La'Onf-Netzwerk hieß es dazu: „Gewaltlosigkeit ist die Lösung für Reformen im Irak und um den Irak zu einer zivilen Demokratie zu machen … In der Gewaltlosigkeit sind nicht Menschen unsere Feinde, es ist die Ungerechtigkeit, der wir uns widersetzen … [Wir praktizieren Gewaltlosigkeit] um Wandel voranzutreiben und die Rückkehr der Diktatur zu verhindern.“
Die irakischen Protestierenden haben große Risiken auf sich genommen als sie ihre Stimme erhoben; so wurden einige von ihnen Opfer politischer Unterdrückung. GewerkschaftsführerInnen und andere OrganisatorInnen des „Tags des Zorns“ wurden wiederholt von Truppen des al-Maliki Regimes bedroht; viele wurden ohne Haftbefehle verhaftet. Der Aufenthaltsort einiger bleibt unbekannt und sie schweben in großer Gefahr, gefoltert oder getötet zu werden, oder zu „verschwinden“.
Die Jugendführer Firas Ali und Ala'a Nabiel wurden vor Kurzem aus dem Gefängnis entlassen, aber andere werden immer noch festgehalten.
Falls Sie sich für diese AktivistInnen einsetzen wollen, können Sie dem irakischen Botschafter in Berlin schreiben. Loben Sie die Freilassung von Firas Ali und Ala'a Nabiel und fordern Sie die Freilassung all jener, die auf Grund ihrer Teilnahme an den friedlichen Demonstrationen festgehalten werden. Verlangen Sie, dass die Rechte aller IrakerInnen, für den Wandel zu demonstrieren, garantiert und respektiert werden.
Schicken Sie Ihre Briefe an:
Botschafter Dr. Hussain M. Fadhlalla Alkhateeb
Botschaft der Republik Irak
Pacelliallee 19 - 21
14195 Berlin
Weitere Informationen
Im Rahmen seine Reihe "Monitoring-Projekt Zivile Konfliktbearbeitung - Gewalt- und Kriegsprävention legte Prof. Dr. Andreas Buro 2007 sein Dossier vor. Lesen Sie hier die aktualisierte Fassung von 2010.