We are sleepwalking into a brave new world where robots decide who, where and when to kill – wer an der FIfF–Jahrestagung 2008 “Krieg und Frieden – digital” teilnahm, wird sich an dieses Satz erinnern, mit dem Noel Sharkey seinen Albträume weckenden Vortrag über die fahrenden, fliegenden, schwimmenden und laufenden Roboter der Militärs begann. Wurden diese zunächst für die Aufklärung in Kriegs- und Krisengebieten eingesetzt, werden sie mittlerweile mit ferngesteuerten Waffen ausgerüstet – und in einem absehbaren nächsten Schritt autonom entscheiden, wann und wohin sie schießen.
In seinem Eröffnungsvortrag über die Rolle von Informationstechnologie und KI–Methoden für Waffensysteme hob bereits Jürgen Altmann die besondere Stellung heraus, die autonome Fahrzeuge für den Kampfeinsatz einnehmen. Beide Referenten ergänzten sich in der brisanten Thematik, ein glücklicher Umstand, mehr noch: Hier brachte die Tagung zwei Wissenschaftler zusammen, die gleichermaßen die Sorge treibt, dass die mit dieser Technologie geschaffene neue Waffengattung eine unkalkulierbare Bedrohung unserer Gesellschaft darstellt. Kriegführung ‚vom Leitstand aus’ wird Kriegshandlungen aus der Sicht der über diese Technologie verfügenden Partei verharmlosen, da die eigenen Verluste lediglich technischer Art sein würden. Gesellschaftliche Zustimmung wird – wo demokratische Kontrolle noch funktioniert – leichter zu erwerben sein. Neue politische Optionen kommen zu den strategischen. Die Proliferation dieser neuen Waffen ist daher unausweichlich. Heute laufen bereits in über 40 Ländern entsprechende Entwicklungsprogramme. Und über allem steht die ethische Problematik: Wer übernimmt die Verantwortung für den Einsatz und die Handlungen autonomer Systeme mit letalen Waffen? Die öffentliche Diskussion dieser Gefahr ist überfällig, Initiativen zur Rüstungskontrolle auf diesem Sektor sind dringend geboten.
Dies nun hat den Physiker und Friedensforscher an der TU Dortmund, Jürgen Altmann, und den KI–Experten und Professor for Public Awareness der University of Sheffield, UK, Noel Sharkey, nach weiteren gemeinsamen Workshops und Vorträgen veranlasst, das International Committee for Robot Arms Control, kurz ICRAC zu gründen. Zu den Gründern gehören außerdem der Philosoph Peter M. Asaro, New School University New York, und der Bioethiker Robert Sparrow, Monash University, Australien. Ihre Intention wird in ihrem Mission Statement, das auf den Internetseiten des Komitees nachzulesen ist, umfassend beschrieben:
Given the rapid pace of development of military robotics and the pressing dangers that these pose to peace and international security and to civilians in war, we call upon the international community to urgently commence a discussion about an arms control regime to reduce the threat posed by these systems. We propose that this discussion should consider the following:
- Their potential to lower the threshold of armed conflict;
- The prohibition of the development, deployment and use of armed autonomous unmanned systems; machines should not be allowed to make the decision to kill people;
- Limitations on the range and weapons carried by “man in the loop” unmanned systems and on their deployment in postures threatening to other states;
- A ban on arming unmanned systems with nuclear weapons;
- The prohibition of the development, deployment and use of robot space weapons.
Um die Diskussion auf eine breitere Basis zu stellen, ist bereits ein International Expert Workshop „Arms Control for Robots – Limiting Armed Tele–Operated and Autonomous Systems“ geplant. Er soll vom 20. bis 22. September 2010 in Berlin stattfinden. Dr. Altmann erteilt bei Interesse gerne weitere Auskunft über die Arbeit des ICRAC und über den geplanten Workshop.
Kontakt: altmann(at)ep3.ruhr-uni-bochum.de
Erschienen in FIfF Kommunikation 2/2010, Juni 2010
Das Afghanistan-Desaster der NATO zeigt ebenso wie andere Militäraktionen, dass Kriege heute kaum noch gewinnbar sind. Zu glauben, man könne damit Probleme lösen, erweist sich immer häufiger als tödliche Illusion.
Zivile Konfliktbearbeitung dagegen kann Bürgerkriege beenden. Der Aachener Karlspreisträger Andrea Riccardi hat das in Moçambique eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Krieg hat aufgehört, "ultima ratio" zu sein, Krieg wird immer deutlicher zur "ultima irratio".
So ist es ein wenig still geworden um die vor wenigen Jahren noch hochgepriesenen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ihre Perspektive steckt in der Sackgasse Afghanistan. Längst sind die Generale kleinlaut geworden, geben offen zu, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind, dass Militär keinen Frieden schaffen kann. Allenfalls Zeit gewinnen, damit Politik Frieden schaffen kann, lautet jetzt ihre Devise.
Die offenkundige Krise militärischer Möglichkeiten stärkt die Chancen für eine neue Sicherheitsdebatte, mit dem Ziel, ernsthaft den Krieg zu ächten. Der Schlüssel liegt in der von einem der Obama-Vorgänger, Woodrow Wilson, während des Ersten Weltkrieges entwickelten Konzeption der kollektiven Sicherheit. Dabei geht es darum, nicht die Sicherheit einzelner Staaten auf Kosten anderer Staaten, sondern die Sicherheit aller Staaten gemeinsam zu gewährleisten. Der Krieg muss als gemeinsame Gefahr für alle aufgefasst werden, der die Interessen der gesamten Gemeinschaft berührt". Sicherheit wird damit als unteilbar betrachtet.
Otmar Steinbicker