Von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro

Interview mit Damacio A. Lopez, Uran 238-Experte aus Neu Mexiko

06.07.2011 – Interview mit Damacio A. Lopez, Direktor des Internationalen Forschungsteams für Abgereichertes Uran (International Depleted Uranium Study Team - IDUST). Er ist nicht nur einer der Initiatoren des costaricanischen Uran 238-Verbots. Seine Forschungen und Erfahrungen vor Ort in den Kriegsgebieten flossen auch in den Dokumentarfilm "Uranium 238: The Pentagon's Dirty Pool" von Pablo Ortega ein, der vergangenen Mai den Kurzfilmpreis des 1. Internationalen Uran Film Festival von Rio de Janeiro gewonnen hat.

Norbert Suchanek: Was ist Uran 238?

Damacio A. Lopez: Radioaktiver Abfall produziert von der Atomindustrie. Er fällt bei der Urananreicherung an und findet sich ebenso zusammen mit Plutonium in abgebrannten Kernbrennstäben.

Warum wird dieses hoch giftige und als "schwach" radioaktiv bewertete Schwermetall in Geschossen und Raketen eingesetzt.

Weil es nichts kostet, und weil die Geschosse Panzer brechen und sich entzünden, wenn sie das Zielobjekt treffen.

Was sind die Effekte und Folgen des Einsatzes von U-238 Waffen?

Sie zerstören das Zielobjekt, und in der Konsequenz wird ein radioaktives und toxisches Gas aus radioaktiven Mikropartikeln freigesetzt, die inhaliert oder anderweitig aufgenommen werden können.

Das heißt, das Schlachtfelder wie im Kosovo, Irak oder jetzt vielleicht in Libyen radioaktiv verseucht sind?

Jegliches Schlachtfeld, wo Abgereichertes Uran eingesetzt wurde, ist für 4,5 Milliarden Jahre kontaminiert.

Wer ist davon betroffen?

Wer auch immer in Kontakt mit Uran 238 kommt wird negative Folgen davon tragen.

Auch die U-Waffen einsetzenden Soldaten selbst erkranken?

Wie beim Chlorgas-Einsatz der deutschen Armee während des 1. Weltkriegs in Belgien, werden zuerst sowohl die Soldaten, die die Waffen abschießen, als auch deren "Ziele" kontaminiert. Und im Anschluss daran die lokale Zivilbevölkerung. Der Staub aus radioaktiven Mikropartikeln macht keinen Unterschied zwischen Feind, Freund oder Zivilisten.

Welche Länder setzen U-Waffen ein?

Mehr als 18 Länder besitzen diese Waffen. Die USA und Großbritannien setzen sie regelmäßig ein, doch es ist schwierig nachzuweisen, ob andere Länder Uran-Geschosse gleichfalls bereits eingesetzt haben, da dies im geheimen geschieht. Die Daten über Uran-Waffen-Einsätze werden nicht veröffentlicht. Einer der Gründe, weshalb wir über U 238-Einsätze der USA und Großbritanniens Bescheid wissen, sind unabhängige Forscher, die in die Kriegsgebiete mit Geigerzählern gingen und Proben nahmen. Ich habe dies im Irak, im Kosovo und in Palästina gemacht. Später haben dann die UN eigene Untersuchungsteams gesandt, um die Daten der unabhängigen Forscher zu verifizieren.

Seit wann arbeiten sie gegen den Einsatz des Abgereicherten Urans?

Ich habe mit dieser Arbeit 1985 begonnen, als ich erfuhr, dass Uran-Geschosse in nur 2 Kilometer Entfernung von meinem Heimatort in New Mexiko getestet wurden unter der Leitung des New Mexiko Institute of Mining and Technology (NMIMT) in Socorro. Viele Menschen in der Umgebung des Testgebiets erkrankten.

Seitdem versuchen Sie die Vereinten Nationen von der Notwendigkeit einer globalen Ächtung dieser Munition zu überzeugen?

Mein Ziel ist ein internationales Verbot von Uran 238-Waffen.

Belgien war das erste Land, das gerade auch aufgrund ihrer Initiative ein Verbot beschlossen hat. Nun hat Costa Ricas Präsidentin Laura Chinchilla U-238-Waffen auf ihrem Staatsgebiet verboten, was gleichfalls zu einem beträchtlichen Teil in ihrer Arbeit begründet ist. Welches ist ihr nächster Schritt?

Ein drittes Land ausfindig zu machen, das an einem Bann dieser Waffen interessiert ist, and wo ich bei seiner Verwirklichung mithelfen kann.

Sie waren jüngst in Rio de Janeiro beim 1. Internationalen Uran Film Festival, wo der auf ihren Forschungen und Erfahrungen basierende Dokumentarfilm von Pablo Ortega, "Uranium 238: The Pentagon's Dirty Pool" als bester Kurzfilm ausgezeichnet wurde. Glauben Sie, dass Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff dem Beispiel ihrer Amtskollegin in Costa Rica nachfolgt?

Das wäre wundervoll. Ich mehr als bereit dabei mitzuhelfen. Brasilien ist eines der Schlüsselländer Lateinamerikas.

Von Norbert Suchanek, Rio de Janeiro

Costa Rica bannt Uran-Munition

06.07.2011 - Vor 20 Jahren während des Golfkriegs, 1991, setzten die USA erstmals Uran-Munition im großen Mengen gegen die irakischen Truppen ein. Nun hat Costa Rica als weltweit zweites Land - nach Belgien (2007) - ein Gesetz zum Verbot dieser radioaktiven Munition beschlossen. Der Gebrauch von Geschossen hergestellt mit Uran 238 verletze mehrere Prinzipien des internationalen Menschenrechts und habe unverantwortbare Langzeitfolgen für Mensch und Umwelt, so die internationale Kampagne zur Ächtung der Uran-Waffen (International Campaign to Ban Uranium Weapons - ICBUW). Das vergangenen April vom costaricanischen Parlament verabschiedete und jetzt auch von Präsidentin Laura Chinchilla unterschriebene Gesetz verbietet Gebrauch, Handel, Transport sowie Produktion und Aufbewahrung dieser vor allem von den USA verwendeten Geschosse.

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