Erfolg für Aachener Friedenspreisträger Roy Bourgeois

Ecuador schickt keine Soldaten mehr nach Fort Benning

Roy Bourgeois (links) im Gespräch mit Rafael Correa.
Foto: Presidencia de la República del Ecuador

27.06.2012 - Der Präsident Ecuadors, Rafael Correa, hat entschieden, keine ecuadorianischen Soldaten mehr an die “School of the Americas” in Fort Benning (USA) zu senden.

Correa traf seine Entscheidung unmittelbar nach einem Treffen mit dem Aachener Friedenspreisträger Roy Bourgeois und einer Delegation der US-Friedensorganisation SOA Watch. Ecuador ist nach Venezuela, Uruguay, Argentinien und Bolivien, das fünfte lateinamerikanische Land das keine Soldaten mehr zur Ausbildung nach Fort Benning schickt.

Roy Bourgeois, der 2005 den Aachener Friedenspreis erhielt, setzt sich seit mehr als 30 Jahren aktiv von unten und unter großen persönlichen Opfern für Frieden und Menschenrechte ein. Seit 1980 ist sein persönlicher Schwerpunkt die Organisation von Protestaktionen gegen das Training lateinamerikanischer Soldaten (u.a. für Folterungen) an der Militärschule in Fort Benning (US-Bundesstaat Georgia). Seine Teilnahme an gewaltfreien Protestaktionen gegen diese Militärschule brachte ihm vier Jahre Haft in USA-Gefängnissen ein.

Roy Bourgeois und die von ihm gegründete Organisation „School of the Americas Watch“ (SOAW) wurden 2010 vom American Friends Service Committee für den Friedensnobelpreis nominiert.

aixpaix-Herausgeber Otmar Steinbicker gratulierte Roy Bourgeois und der US-Friedensorganisation SOA Watch herzlich zu diesem bedeutenden Erfolg.


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Krieg ist die
"ultima irratio"

Das Afghanistan-Desaster der NATO zeigt ebenso wie andere Militäraktionen, dass Kriege heute kaum noch gewinnbar sind. Zu glauben, man könne damit Probleme lösen, erweist sich immer häufiger als tödliche Illusion.

Zivile Konfliktbearbeitung dagegen kann Bürgerkriege beenden. Der Aachener Karlspreisträger Andrea Riccardi hat das in Moçambique eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Krieg hat aufgehört, "ultima ratio" zu sein, Krieg wird immer deutlicher zur "ultima irratio".

So ist es ein wenig still geworden um die vor wenigen Jahren noch hochgepriesenen Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ihre Perspektive steckt in der Sackgasse Afghanistan. Längst sind die Generale kleinlaut geworden, geben offen zu, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind, dass Militär keinen Frieden schaffen kann. Allenfalls Zeit gewinnen, damit Politik Frieden schaffen kann, lautet jetzt ihre Devise.

Die offenkundige Krise militärischer Möglichkeiten stärkt die Chancen für eine neue Sicherheitsdebatte, mit dem Ziel, ernsthaft den Krieg zu ächten. Der Schlüssel liegt in der von einem der Obama-Vorgänger, Woodrow Wilson, während des Ersten Weltkrieges entwickelten Konzeption der kollektiven Sicherheit. Dabei geht es darum, nicht die Sicherheit einzelner Staaten auf Kosten anderer Staaten, sondern die Sicherheit aller Staaten gemeinsam zu gewährleisten. Der Krieg muss als gemeinsame Gefahr für alle aufgefasst werden, der die Interessen der gesamten Gemeinschaft berührt". Sicherheit wird damit als unteilbar betrachtet.

Otmar Steinbicker