Otmar Steinbicker
Mein Zeitzeugenbericht vom 19.8.1989 an der ungarisch-österreichischen Grenze
19.08.2014
Öffnung der ungarischen Grenze bei Fertörakos am 19.8.1989, Foto: Otmar Steinbicker
Otmar Steinbicker, Foto: Beate Knappe
Am 19. August 1989 öffneten ungarische Grenzer bei Fertörakos am Neusiedlersee ein Grenztor. Mehr als 500 DDR-Bürger überquerten daraufhin ungehindert die Grenze nach Österreich. Auf der anderen Seite der Grenze warteten eine Blaskapelle und Busse auf den Abtransport.
Ich war gemeinsam mit Rod Nordland, damals Sonderkorrespondent von „Newsweek“, heute mit dem Pulitzer-Preis geehrter Sonderkorrespondent der „New York Times“ dabei.
Um pünktlich vor Ort zu sein, waren wir halsbrecherisch die letzten Kilometer auf der Kühlerhaube eines bundesdeutschen (!) Geländewagens über die Wege im ungarischen Grenzgebiet mitgefahren.
Ich schoss damals dieses Foto von der Grenzöffnung. Es widersprach deutlich der offiziellen PR-Darstellung!
Legende und Wirklichkeit: „Unerwartet auch für die sechs ungarischen Grenzer, die an diesem Tag Dienst schoben. Zum Glück reagierten sie nicht panisch, sondern sehr gelassen: Sie schauten einfach weg.“. So schreibt die „Tagesschau“ am19.8.2014. Richtig ist: Die Grenzer schauten gelassen und freundlich hin. Foto: Otmar Steinbicker
„Am Grenztor halten sich ungarische Grenzer mit Stempelkissen zur Visa-Ausstellung bereit, eine österreichische Delegation der Paneuropa-Union zu empfangen. Auf der anderen Seite ein österreichischer Grenzer und eine Menge Fotografen.
Kurz vor 15 Uhr öffnen die ungarischen Grenzer das Tor. Als die Delegation die Grenze passiert, rennt eine Gruppe von Flüchtlingen los. Die ersten haben deutlich Angst in ihren Gesichtern, doch kein Grenzer, nur die Pressefotografen zeigen sich interessiert.
In diesen Sekunden entstehen die Fotos, die Bild unter der Schlagzeile verbreiten wird: “Verzweifelte Flüchtlinge drückten das Tor auf” – eine Legende, die noch heute gerne gepflegt wird.“
Fotos, wie die ungarischen Grenzer das Tor öffnen, finden kaum Abnehmer.
Meine Reportage von damals erschien 20 Jahre später, vor fünf Jahren, noch einmal in den „Aachener Nachrichten“.
